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Der Unterricht in der Religion.
ihre unvollkommenen und mangelhaften Begriffe gebessertwerden«; denn ganz ähnlich hatte es ja Sokrates in seinenGesprächen mit Erwachsenen gehalten. Von Mosheim andatiert der heutige Begriff von Katechisieren, dafs mandarunter nicht das Unterrichten überhaupt, sondern dasUnterrichten im Wechsel von Frage und Antwort zum Zweckeder Entwickelung von Begriffen versteht. Da Mosheim fürsein Sokratisieren bei den Kindern Kenntnis der biblischenGeschichte voraussetzte, ist er von dem gegen die spätere»Sökratik« mit Recht erhobenen Vorwurf, dafs man aus denKindern durch katechetische Künste entwickeln wollte, wasnicht in ihnen sei und darüber vergesse, ihnen vor allemetwas zu geben, frei zu sprechen. Wir sehen in ihm vielmehrden Mann, welcher den Grundsatz, von der Anschauung zumBegriff zu gelangen, auf den Religionsunterricht anwandte.
Als Meister in der Kunst des Katechisierens galt D int er(f 1831), dessen Schrift »Die vorzüglichsten, Regeln der Kate-chetik«, wie auch seine »Unterredungen über die Hauptstückedes Katechismus« sehr weit verbreitet waren. So dach derInhalt dieses letzteren bänderreichen Werkes ist, so trefflichist die Methode, deren Anwendung er in ihm zeigt.
Auch die Philanthropisten, wie Salzmann und Bahrdtwurden wegen ihrer katechetischen Fertigkeit bewundert.
9. Die Sökratik artete aus. Man meinte, die geschicht-liche Grundlage entbehren und alle Wahrheiten dem Kindes-geiste entlocken zu können, in welchem sie schlummerten.Im Gegensatz zu dieser falschen Sökratik forderte Pestalozzi(t 1827), dal's dem Kinde, bevor man etwas aus ihm entwickelnwolle, Anschauungen gegeben werden mülsten. Alsnach den Befreiungskriegen das durch den Rationalismusverkümmerte Glaubensleben wieder erwachte, suchte WilhelmHarnisch (Entwürfe und Stoffe zu Unterredungen überLuthers kl. Katechismus) methodische Tüchtigkeit mit posi-tiver Religiosität zu vereinigen. Nachdem der Rückschlaggegen den Rationalismus vielfach zu einer Unterschätzungder Methodik gegenüber dem Inhalt geführt hatte, riefen diegrofsen Darstellungen der Katechetik von Kraufsold (1843),Palmer (1844) und namentlich v. Zezschwitz (1863—72)lebhaftes Interesse auch an der formalen Seite des Religions-