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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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§ 124. VI. Geschichte des Religionsunterrichts. }55

wir aus den übereinstimmenden Aufserungen von Männern,wie Luther, Myconius, Melanchthon und Matthesius, nament-lich aber aus dem, was uns über das Ergebnis der zumZwecke der Durchführung der Reformation vorgenommenenKirchenvisitationen berichtet wird. Es herrschte einegroi'se und allgemeine Unwissenheit des Volkes inreligiösen Dingen.

5. Mit der Reformation beginnt für die Geschichtedes Unterrichts überhaupt eine neue Epoche. Die Sorge, derNachwelt das Evangelium zu erhalten, mul'ste zur Erneuerungoder vielmehr Neuschaffung des höheren und fernerhin auchdes niederen Schulwesens treiben. Die bedeutendste Urkundefür diese Seite der Reformation ist die grofse AVürttembergerKirchenordnung von 1559, eines der wichtigsten Denk-mäler für die Geschichte des Schul- und Volksschulwesens.Luther selbst schrieb dem religiösen Jugendunterricht dieHahn vor durch die Abfassung des grofsen und kleinen Kate-chismus. Den grofsen Katechismus nannte er »eine Predigt,dazu geordnet, dafs sie sei ein Unterricht für die Kinder undEinfältigen«, den kleinen ein »Enchiridion (Handbüchlein)für dit gemeinen Pfarrherrn und Prediger.« Die Unterschei-dung der beiden Schriften, als ob der grofse Katechismusfür die Lehrer, der kleine für die Schüler bestimmt sei, istdemnach nicht richtig. In der That wurde alsbald der kleineKatechismus das eigentliche Lehr- und Lernbuch des Religions-unterrichts. Mit Recht, wenn anders das Wort Goethes gilt,dafs für die Jugend das Beste gerade noch gut genug ist.In wunderbar harmonischer Weise erscheint der altkirchlicheUnterrichtsstoff, Glaube, Vaterunser und Sakramente, mitdem Gesetzesstoffe des ausgehenden Mittelalters vereinigt.Neben dem Katechismus gab Luther dem christlichen Volkeund mittelbar auch der Schule die deutsche Bibel und dasevangelische Gemeindelied. Die Stelle des Luther'schenKatechismus nahm auf reformiertem Gebiete der Heidel-berger Katechismus ein.

Das Ziel der evangelischen Unterweisung wurde dieZulassung zum heiligen Abendmahl. Die Erreichungdesselben markierte die in der Reformationszeit da und dort

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