34
Der Unterricht in der Religion.
Schrift deshalb, weil Luthers kleiner Katechismus, namentlichin der Auslegung des Vaterunsers, viele Anklänge an die-selbe aufweist.
Während das Ziel des altkirchlichen Katechumenen-unterrichts die Taufe war, bildete das Ziel des mittel-alterlichen Unterrichts der getauften Kinder die ersteBeichte, zu welcher dieselben in der Zeit, zwischen dem 7.und 14. Jahre zugelassen wurden, und nach der ersten Beichtegaben die folgenden Beichtgänge Gelegenheit wie zur Aus-übung der kirchlichen Volkserziehung überhaupt, so auchzur gelegentlichen Unterweisung namentlich in moralischerHinsicht. Der Religionsunterricht des Mittelalters kann des-halb als Beichtunterricht bezeichnet werden. Von denKindern, welche zum erstenmal beichteten, wurde die Kennt-nis von Glaube und Vaterunser verlangt. Zu diesen altenKatechismusstücken trat, wozu die Beichte ja besonders auf-forderte, der Gesetzesstoff hinzu. Man verwendete jedochals solchen nicht, wie vielfach irrtümlich angenommen wird,die zehn Gebote, sondern Zu samm en Stellungen der Tod-sünden, der Hauptlaster und der guten Werke.Erst gegen Ende des Mittelalters wurde der Dekalog in seinerBedeutung auch für die christliche Unterweisung erkanntund es entstand — ein Vorbote der Reformation — einereiche Literatur von Dekalogauslegungen.
Was die Kirche, wenn sie weniger in Veräufserlichunggeraten wäre, trotz der Beschränkung auf den Beichtunter-richt hätte erzielen können, brachte seiner Zeit der berühmteKanzler der Pariser Universität Jean Oharlier Gerson(t 1429) zum Bewufstsein (Traktat »Wie man die Kinder zuChristo führen soll«).
Was die Kirche auf dem Gebiete des Religionsunterrichtsleistete, wurde tief in den Schatten gestellt durch das, wasdie von ihr ausgeschlossenen Waldenser und böh mischenBrüder hervorbrachten. Dieselben haben zuerst Katechis-men im heutigen Sinne des Wortes eingeführt, welche, inFrage und Antwort, abgefafst, wohl geeignet, waren, demUnterrichte als Unterlage zu dienen.
Wie schlecht es um den kirchlichen Religionsunterrichtim allgemeinen am Ende des Mittelalters bestellt war, ersehen