Druckschrift 
2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
Entstehung
Seite
32
Einzelbild herunterladen
 

32

Der Unterricht in der Religion.

3. Das Katechumenat war für diejenigen bestimmt,welche in die christliche Gemeinde aufgenommen sein wollten(Katechumenen). Bevor sie getauft wurden, erteilte ihnendie Kirche Unterricht und nahm sie in ihre Erziehung.Indem ihnen die Teilnahme an dem der Sakramentsfeiervorausgehenden Gemeindegottesdienst gewährt wurde, wuchsensie allmählich in die christliche Gemeinschaft hinein, derenvollberechtigte Glieder sie erst durch die Taufe wurden.Das Ziel der Katechumenenerziehung war also dieheilige Taufe. Der Geistliche, welcher sie unterrichtete,hiefs der Katechet, für die Unterweisung gebrauchte manden (griech.) Ausdruck »katechein«. Die Bedeutung dieses"Wortes ist »antönen«. Es bezeichnet also ursprünglichkeineswegs das, was wir heute unter katechetischem Unter-richt verstehen, nämlich einen solchen in der Form vonFrage und Antwort, sondern im Gegensatz zum schriftlicheneinen mündlichen Elementarunterricht, welcher in derForm akroamatisch gewesen ist. Das Katechumenat warnicht durchweg und anfänglich auch nicht vorwiegend fürdie Jugend da. Wir erblicken in ihm nicht nur die erstegrofsartige Organisation des kirchlichen Unterrichts, sondernauch der kirchlichen Erziehung, deren Objekt alle diejenigenwaren, welche der Taufe entgegen gingen. Da der Gebrauchder Kindertaufe schon sehr früh wenn auch nicht allgemeinaufkam, fragt man sich, wer denn für den Unterricht derschon im Kindesalter Getauften Sorge trug. Für die Erzieh-ung dieser Kinder zum bewufsten Christentum war dasKatechumenat nicht bestimmt, dieselbe blieb vielmehr imwesentlichen die Aufgabe der christlichen Familie.

Von dem Katechumenenunterricht können wir uns eindeutliches Bild machen, da uns 23 Katechesen des BischofsCyrill von Jerusalem (f386), welche derselbe noch alsPresbyter gehalten hat, erhalten sind. Dieselben beginnenmit Bufsermahnungen und dem Hinweis auf die grofse Gnadeder Taufe und entwickeln alsdann in populären Ansprachen,welche viel mehr dem, was wir heute eine Predigt, als waswir eine Katechese nennen, gleichen, die einzelnen Stückedes christlichen Glaubensbekenntnisses und weisen aufdie kanonischen Bücher der Bibel hin, an welche sich die