Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
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ganz Angouleine zweifelte? Frau von Bargeton konnteden Fuß nicht über die Schwelle setzen, ohne daß dieStadt wußte, wohin sie ging. Mit Lucien allein außerhalbder Stadt zu gehen, wäre ein entscheidender Schritt ge-wesen: es wäre weniger gefährlich gewesen, sich mit ihmbei sich zu Hause einzuschließen. Wenn Lucien nachMitternacht, ohne daß noch Gesellschaft da war, bei Frauvon Bargeton geblieben wäre, hätte es am nächsten Tageein Gerede darüber gegeben. So lebte Frau von Bargetonin und außer dem Hause immer in der Öffentlichkeit.Diese Einzelheiten geben ein Bild von der ganzen Provinz 1die Fehltritte sind da entweder eingestanden oder un-möglich.

Louise erkannte, wie alle Frauen, die von einer Leiden-schaft hingerissen sind, in der sie sich nicht auskennen,nacheinander alle Schwierigkeiten ihrer Lage; sie schrecktedavor zurück. Ihre Angst wirkte jetzt auf die Ausein-andersetzungen ein, die so oft die schönsten Stunden, i ndenen zwei Liebende allein beisammen sind, in Anspruchnehmen. Frau von Bargeton hatte keinen Landsitz, aufden sie ihren gehebten Dichter mitnehmen konnte, wie esmanche Frauen machen, die sich unter einem geschicktersonnenen Vorwand auf dem Lande begraben. Sie wardieses öffentliche Leben müde, war aufgerieben von derTyrannei, deren Joch so hart war, daß die Annehmlich-keiten nicht mehr in Betracht kamen, und dachte anPEscarbas. Sie erwog, ihren alten Vater dort zu besuchen,so wütend war sie über diese elenden Hindernisse.

Chätelet glaubte nicht an so viel Unschuld. Er lauerteauf die Stunden, in denen Lucien zu Frau von Bargetonkam, und begab sich ein paar Augenblicke später ebenfallsdahin. Er ließ sich immer von Herrn von Chandour be-gleiten, der der indiskreteste Mensch dieses Klüngels war-Er ließ ihn immer zuerst eintreten und hoffte auf eine

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