Druckschrift 
2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

6

Der Unterricht in der Religion.

bis ins einzelne schriftlich vorbereitet, wird schwerlichjemals imstande sein, einen entsprechenden Religionsunter-richt zu erteilen.

§ 120.IV. Methode des Religionsunterrichts im allgemeinen.

1. Die Person des Lehrers.

In höherem Mafse als bei allen anderen Unterrichts-gegenständen gilt bei dem religiösen Unterricht das Wort:Die Persönlichkeit des Lehrers ist die beste Me-thode. Tritt bei den anderen Disziplinen in den Vorder-grund, was der Lehrer weifs und kann, so hier vor allem,was er ist. Drei Anforderungen sind an den Religionslehrerzu stellen: a) Er mufs Lehrgeschick haben. Dasselbewird gewonnen durch fortgesetzte Übung in gewissenhafterVerwertung der didaktischen Grundsätze. Gründliche Vor-bereitung, unablässige Selbstkritik ist notwendig, b) Er mufsseinen Stoff beherrschen. Eifriges Studium anerkanntguter Hilfsmittel für alle religiösen Unterrichtszweige ist un-erläfslich. c) Er mufs die rechte Herzensstellung zudem einnehmen, was er im Unterricht zu lehren hat. OhneBekenntnistreue, ohne persönliche Überzeugung von der reli-giösen Wahrheit und ohne Begeisterung für sie fehlt, was daswichtigste ist, die Wärme. Vereinigt der Lehrer in seinerPerson Lehrgeschick, Wissen und Wärme, so wird

2. Die Darstellung

klar und deutlich, wahr und lebendig sein.

a) Klarheit. Es gibt nur einen Weg, welcher zu einerklaren Erkenntnis führt; es ist derjenige, welcher mit derAnschauung beginnt und mit dem Begriff endigt. DerLehrer öffne in keiner Stunde, am wenigsten aber in derReligionsstunde den Mund zur Darstellung, ohne sich vorhernoch einmal zuzurufen: »Von der Anschauung zum Begriff!«Wer darstellen will, der thue, was das Wort besagt, er stelleetwas Konkretes, etwas Sinnenfälliges, etwas Anschaulichesvor das geistige Auge des Kindes. »Frömmigkeit« ist ein Be-griff, aber Abraham, der vor Gott wandelt und fromm ist,eine anschauliche Persönlichkeit. »Gottvertrauen« ist ein