Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
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Sehnsucht im Leeren müd und stumpf machen. ZweiLiebende sind dann so weit, daß sie Zeit finden, nachzu-denken und sich kritisch zu betrachten. Oft kehren soLeidenschaften, die mit fliegenden Fahnen und in strahlen-dem Schmuck, mit einer Glut, die alles umwerfen wollte,ins Feld gezogen waren, schließlich ohne Sieg, beschämt,entwaffnet, ärgerlich über ihren leeren Lärm nach Hausezurück. Dieses Verhängnis erklärt sich manchmal mitder Schüchternheit der Jugend und dem Hinzögern, zudem Frauen, die Anfängerinnen sind, neigen, denn dieseArt gegenseitigen Betrugs passiert weder den erfahrenenPraktikern noch den Koketten, die darin erfahren sind,wie man mit der Leidenschaft umgehen muß.

Das Provinzleben steht überdies den Befriedigungen derLiebe seltsam feindlich gegenüber und begünstigt dasAufkommen von Streitfragen in der Liebe; und ebensostürzen die Hindernisse, die es dem süßen Verkehr, der dieLiebenden so sehr verbindet, entgegensetzt, die glühen-den Seelen in Zwiespalt miteinander. Dieses Leben ist aufeine so ängstliche Spionage begründet, auf eine so großeDurchsichtigkeit der Häuser, es erlaubt so wenig eine In-timität, die befriedigt, ohne die Tugend zu verletzen, diereinsten Beziehungen werden so sinnlos bezichtigt, daßviele Frauen trotz ihrer Unschuld entehrt werden. Mancheunter ihnen werden dann zornig, daß sie nicht alle Wonneneines Fehlers genießen, dessen schlimme Folgen sie alletragen müssen. Die Gesellschaft, die ohne irgendeineernsthafte Prüfung die offenkundigen Tatsachen, dielangen geheimen Kämpfen ein Ende machen, tadelt oderkritisiert, ist also ursprünglich mitschuldig an diesenSkandalen; aber die meisten Menschen, die gegen dieangeblichen Skandale zetern, an denen zu Unrecht ver-leumdete Frauen schuld sein sollen, haben nie an dieUrsachen gedacht, die sie schließlich zu einer öffentlichen

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