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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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§ 113. IV. Zur Geschichte des Turnens.

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nach eine geregelte Gestalt. Im Jahre 1811 zog er mit Hunderten vonbegeisterten Jünglingen hinaus zur Hasenhaide, wo er den ersten Turn-platz einrichtete und das >deutsehe Turnen« begründete. Durchsein "treffliches Buch; >Das deutsche Volkstum« wufste er die Jugendin hinreifsender Sprache für das Turnen zu begeistern. Im Jahre 1813zogen die Turner in den Krieg. Nach der Heimkehr der siegreichenHeere von Paris begann die Reaktion. Es erfolgten Anklagen und Ver-dächtigungen gegen das Turnen, die das Mifstrauen der Regierungen er-regten. Nach dem Wartburgfeste (1817) wurde das Turnen fast in allendeutschen Staaten verpönt, die sämtlichen Turnstätten Preufsens wurdengeschlossen, Jahn selbst wurde verhaftet und nach Küstrin gebracht.Erst im Jahre 1825, nachdem Passow, Harnisch, K. v. Raumerund E. M. Arndt als kühne Verteidiger des Turnens aufgetreten warenund auch die Gerichte ihn freigesprochen hatten, wurde der Turnvaterfreigelassen. Auf dem ersten Turnplatze (Hasenhaide) haben ihm Deutsch-lands Turner ein Denkmal errichtet. Jahns treuer Gehilfe war E. W.Bernhard E i s e 1 e n, dem während der Turnsperre erlaubt war, in einemPrivatlokale Turnunterricht zu erteilen.

Jahns Turnen war ein Massenturnen. Die eine Hälfte derÜbungen bildete das Kürturnen (freiwilliges), die andere das Schul-turnen in »Riegen«, welches die Vorturner leiteten. Zu den Spring-und Schwingübungen kamen die am Pferd, Barren und Reck und dieTurnspiele. In brüderlichem Gemeinsinn ward »Frisch, frei, fröh-lich, fromm des Turners Reichtum«. Nachdem das Turnen einJahrzehnt darniederlag, brach endlich Bayerns erleuchteter KönigLudwig I. den Bann. Ein Jahr nach seinem Regierungsantritt (1826)gestattete er den Gymnasialschülern gymnastische Übungen. Im Jahre1827 berief er den Professor Hans Ferd. Mafsmann nach München, damiter beim Kadettenkorps die Leitung dieses Unterrichtes übernehme, diekönigl. Prinzen im Turnen unterrichte und an der Universität Vorlesungenhalte. Im Frühling dos Jahres 1828 verfügte der König die Errichtungeiner öffentlichen Turnanstalt in München. Nun kam das Turnenwieder zu Ansehen, und der alte Geist dafür regte sich wieder mit jungerKraft. Aber leider sollte die anerkennenswerte Thätigkeit Mafsmanns inMünchen gerade für Bayern keine durchgreifende Organisation des ge-samten Turnwesens im Gefolge haben.

8. Die neueste Zeit, a) Begründung 1 des Schulturnens. Die allge-meine Wiedereinführung des Turnens hat 1836 durch die Schrift Lorin-sers: »Zum Schutze der Gesundheit« einen kräftigen Anstofs erhalten.Die 70 Schriften für und gegen das Turnen, welche sie hervorrief, legtenden Wert und die Wichtigkeit des Turnens erst recht klar. In Sachsenführte man dasselbe 1837 an den höheren Anstalten ein, in Preufsenwurden die Leibesübungen 1842 »als ein notwendiger und unentbehr-licher Bestandteil der männlichen Erziehung betrachtet und ProfessorMafsmann 1843 von München zur Oberleitung und besseren metho-dischen Durchführung des Turnens nach Berlin berufen. Er hielt jedoch

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