Druckschrift 
2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
Entstehung
Seite
388
Einzelbild herunterladen
 

388

4. Der Unterricht im Turnen.

hartnäckig am Jahnschen Turnen fest und wurde deshalb 1849 ent-lassen. 1 )

Grofsen Anklang fand daher Adolf Spiels aus OSenbach (1810 bis1858) s ), welcher mit Geschick und Bedacht das eigentlich pädagogischeSchulturnen begründete und zwar nicht allein für Knaben, sondernauch für Mädchen. Er legte den Hauptwert auf das Einfache undNatürliche, fügte zwar das früher freiwillige Jahnsche Turnen alsBildungsmittel für Leib und Geist in den Hang- und Stemmübungenin das Schulturnen ein, schuf aber die besonders für die Schule hoch-wertigen und mannigfaltigen Frei- und Ordnungsübungen. SeinSystem begründete er in der >Lehre von der Turnkunst« (Basel,18401846) in vier Teilen: Frei-, Hang-, Stemm- und Gemeinübungenund in seinem >Turnbuch für Schillern (1851). Die Zweckmäfsig-keit seines Turnunterrichtes verschaffte demselben vielseitigen Eingang,und dies um so mehr, als Männer wie Wafsmannsdorff, Ravenstein u. a.ihn kräftig unterstützten.

b) Das Vereins- und Schulturnen. Die Ereignisse der Jahre 1848und 1849 hatten einen Bück gang des Turnwesens zur Folge. Dochentschlofs sich die sächsische Regierung, die Turnsache wieder in dieHand zu nehmen, gründete 1850 die Dresdener Turnlehrer-bildungsanstalt und übergab die Leitung dem um das Turnwosenhoch verdient gewordenen Dr. Klofs, einem Vertreter des Jahn-Spiefs-schen Turnens, während 1851 Hugo Rothstein an Mafsmanns Stellezur Leitung der Berliner Zentral-Turnanstalt berufen wurde.Mitte der fünfziger Jahre begann ein allmählicher Aufschwung desTurnens. Die deutschen Turnfeste (Coburg 18^0, Berlin 1861, Leipzig1863, letzteres mit 22000 Turnern) gewannen die Menge im weitenVaterlande. Ihnen folgten die Versammlungen der deutschen Turn-lehrer. Nun traten auch die Regierungen der deutschenStaaten mit erneutem Eifer für die Errichtung zunächst von Turn-lehrerbildungsanstalten ein. Denen zu Dresden und Berlinfolgte 1863 die württembergische in Stuttgart unter Professor JägersLeitung. Er führte das Stabturnen ein, wodurch die Frei- und Ord-nungsübungen reicherer Ausbildung und gröfserer Vervollkommnung ent-gegengeführt wurden. Im Jahre 1869 wurde eine solche zu Karlsruhefür Baden errichtet und die Direktion einem Hauptvertreter der Spiels-achen Schule Alfred Maul übertragen. Mit der Einrichtung derTurnlehrerbildungsanBtalten ging die obligatorische Einführungdes Turnunterrichtes in den Lehrerbildungsanstalten

l ) Dazwischen hinein machten die eine gleichmäfsige Ausbildungaller Körperteile bezweckenden gymnastischen Übungen (passive Be-wegungen und Widerstandsbewegungen) des Schweden H. Ling vielAufsehen.

s ) Spiels wirkte zuerst in Burgdorf, dann in Basel in derSchweiz, zuletzt als Oberstudienrats-Assessor und Leiter des hessischenTurnwesens in Darmstadt. «