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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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§ 113. IV. Zur Geschichte des Turnens.

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kränz, bei den pythischen Spielen um den Lorbeer. Der be-kränzte Sieger ,wurde hochgeehrt. Später verlor die Gymnastik ihrhöheres Ziel aus dou Augen und sank zur handwerksmäfsigen Athletikherab.

3. Die Römer blieben in der Gymnastik hinter- den Griechen weitzurück. Der römische Knabe mufste zwar die Urelemente der Gymnastikerlernen, Pferde und Wagen regieren, den Jagdspiefs führen und beson-ders sich an militärischen Übungen beteiligen, aber bis zur künstlerischenAusbildung deB Leibes kam es nicht. Doch tanzte die Jugend, um An-stand zu lernen und mit Würde auftreten zu können. Die Athletik derGriechen fand bei den Römern in veränderter Gestali Aufnahme, nämlieh in den Kampfspielen im Oirkus und Amphitheater, in welchendie Kämpfer zu Fufs und zu Kofs ihre Kraft und Gewandtheit erprobenmufsten, selbst wider Gegner aus dem Tierreiche. Diese Fechter,Gladiatoren genannt, waren Sklaven, welche in besonderen Schulenausgebildet wurden.

4. Die alten Deutschen lehrten den Knaben die einfachen Waffenbis zur Meisterschaft gebrauchen: Schilde schwingen, Geschosse schiefsen,Spiefse führen, mit den Schwertern schlagen und zwischen aufgestecktenSchwertern nackt tanzen. Auch das Reiten ohne Sattel lernten sie vor-trefflich. Den deutschen Reiter begleitete im schnellsten Laufe ein Fufs-kämpfer gegen den Feind. Demnach mufsten Springen, Laufen und Vol-tigieren tüchtig geübt werden. Vom Teutonenkönig Teutoboch wird er-zählt, dafs er über 4—6 Pferde hinwegspringen konnte.

5. Das Mittelalter weist kriegerische Übungen und volkstümliche Spieleim deutschen Ritter-, Bürger- und Bauernstande auf. Wett-lauf, Steinstofs, Weitsprung, Lanzenwerfen und Ringenwaren das deutsche Pentathlon, das, wie aus Sagen und Liedern hervor-geht, am meisten von der Ritterschaft gepflegt wurde. Der ChronistJohannes Rothe sagt in seinem »Ritterspiegel< (1400), dafs ein voll-kommener Mann siebenerlei Behendigkeit haben soll: Reiten, Schwimmen,Schiefsen, Klettern, Fechten, Ringen, Schachspielen. Auf diese Übungen,welche sich mehr und mehr zum Turnier, d. h. zum kunstgerechtenKampfspiel ausbildeten, wurde in der eigentlichen Ritterbildung beson-deres Gewicht gelegt. In den Städten bildeten sich mit dem Rückgangder ritterlichen Übungen Fechtergesellschaften (Markusbrüder undFreifechter von der Feder), welchen Meister und Gesellen angehörten.Einige Übungen verbreiteten sich sogar bis in die Bauernschaft und habensich im Volke bis heute erhalten, wie z. B. Wettlaufen und Wettreiten,Ringen, Sacklaufen, Mastklettern, Schiefsen etc.

6. Die neue Zeit und die Institutsgymnastik. Die neue Zeit be-ginnt mit Luther, der die Leibesübungen warm empfiehlt: >Darumgefallen mir die zwo Kurzweil am allerbesten, nämlich die Musica unddas Ritterspiel mit Fechten, Ringen etc., von welchen das erste dieSorge des Herzens vertreibt, das andere macht fein geschickte Gliedmafsam Körper und erhält ihn bei Gesundheit.« Ähnlich sprechen sich

Böhm, Praktische! Unterrichtslohre. 4. Aufl. 25