Druckschrift 
2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
Entstehung
Seite
384
Einzelbild herunterladen
 

384

4. Der Unterricht im Turnen.

III. Turnspiel (15 Minuten). Den Dritten abschlagen.(Drei Mann hoch.)

Die Schüler stehen mit etwa drei Schritt Abstand im Kreise,je zwei hintereinander, das Gesicht nach innen gekehrt. ZweiSchüler, der Schläger und der flüchtige Dritte, laufen aufserhalbdes Kreises. Will der letztere nicht geschlagen werden (mit derHand oder dem Plumpsack), so flüchtet er in den Kreis und stelltsich vor ein Paar, dessen Letzter nun Dritter wird und ebensoflüchten muls, wenn er nicht geschlagen sein will. Wer als Drittereinen Schlag erhält, wird Schläger, während der bisherige Schläger.sich rasch vor ein Paar stellt. Der Dritte darf nur in derselbenRichtung und nicht durch den Kreis laufen. — Mit Spiel aus:halt! — endigt dasselbe.

Man läfst die Schüler ins Lehrzimmer marschieren, ihre Bücherund Kleider holen und im Takte wegmarschieren. Vor dem Schul-hause zerstreuen sie sich ruhig in die verschiedenen Strafsen.

An Stelle dos Spiels kann dazwischen auch ein Gesangs- Reigentreten (der durch die Ordnungsübungen vorbereitet werden mufs) oder dieTurnstunde durch einen Turnmarsch in Feld und Wald als Vor-bereitung für eine Turnfahrt ausgefüllt werden.

§ HS-IV. Zur Geschichte des Turnens.

1. Schon die Ältesten Völker wurden durch den Kampf mit derNatur zu körperlicher Anstrengung und Übung genötigt.

2. Kunstgerecht bauten zuerst die Griechen ein System der Leibes-übungen auH. Die harmonische Entwickelung und Gestaltung des mensch-lichen Körpers (als des klaren Spiegels der Seele) zur Gesundheit, Kraftund Schönheit bildete einen Hauptteil der Jugenderziehung und war eingemeinsamer nationaler Zug der sonst so verschiedenen griechischenStämme. Auf einem mit Platanen bepflanzten Platze und in dem späterentstandenen Gymnasium (Kunstbau als Vereinigungsplatz für dasgesellige und wissenschaftliche Leben) wurde in der dazu gehörigenPalästra die körperliche Ausbildung mit allem Eifer betrieben (darumGymnastik). Die 5 Hauptübungen waren: 1. das Laufen, 2. dasDiskos- oder Scheibenwerfon, 3. das Springen, 4. das Speer-werfen und 5. das Ringen, welche in ihrer Vereinigung das Pen-tathlon oder der Fünfwettkampf hiefsen. Die Verbindung desRingens mit dem Faustkampf gab als weitere Übung das Pankration.Neben diesen strengeren Übungen liebten die Griechen auch heiteres Spielund Tanz. Die Jugend belustigte sich mit Ballspiel, Kreisel, Schaukel,Steckenpferd etc. Im Wettkampfe rang der Grieche bei den olympischenSpielen um den Ölzweig, bei den isthmischen um den Fichten-