374
4. Der Unterricht im Turnen.
§ HL
II. Der Stoff des Turnunterrichtes.
1. Auswahl des Turnstoffes.
Der Turnstoff besteht aus einer Menge von Übungsformen,durch welche eine kräftige allseitige Ausbildung des Körpers,jugendliche Frische und Fröhlichkeit gepflegt unddamit die Entfaltung des Geistes gefördert werden soll. Eineunter diesem Gesichtspunkte grundsätzlich geordnete Zusammen-stellung der körperlichen Übungen ergibt ein Turnsystem.
Das jetzt allgemein gültige Turnsystem umfafst a) Frei-übungen, b) Ordnungsübungen, c) Gerätübungen undd) Spiele.
a) Die Freiübungen werden frei, d. h. ohne Anwendungvon Gerät (oder Gerüst) von den Gliedern des Leibes aus-geführt. Sie bilden die Grundlage aller gymnastischen Übungenund sind für die harmonische Ausbildung des ganzen Körpersin hohem Mafse förderlich. Sie können an und von Ort ge-macht werden.
Die Freiübungen an Ort sind Fuls-, Bein-, Rumpf-,Arm-, Hand-, Schulter- und Kopfbewegungen, welchein verschiedenen Stellungen (Ausgangsstellungen), nämlich in derGrund-, Schlufs-, Zwangs-, Schritt-, Spreitzstellung etc., im Liegen,Sitzen, Knieen und Stützen gemacht werden können.
Die Freiübungen von Ort sind:
1. Gang Übungen (gewöhnliches Gehen vor-, seit- und rück-wärts, Ballen-, Nachstell-, Schrittwechsel-, Wiegegang etc.).
2. Lauf Übungen (Dauerlauf in verschiedenen Bahnen desÜbungsraumes, Schnell-, Wett-, Springlauf etc.).
3. Springübungen (Schlufs-, Spreiz-, Grätschsprung, Sprungan und von Ort, mit Angehen und -laufen etc.). Die Springübungendienen besonders als Vorbereitung zum Gerätturnen.
4. Hüpf arten auf beiden Füfsen, auf einem Fufs, in und zuverschiedenen Stellungen (Wechsel-, Kreuz-, Galopp-, Schottisch-,Wiegehüpfen etc.).
5. Dreharten (Schritt-, Spreiz-, Kreuzzwirbeln, Walzerschritt).
b) Die Ordnungsübungen sind Gemeinübungen, durchwelche die Schüler gewöhnt werden sollen, sich einem durcheinen Willen (Befehl) geleiteten Ganzen einzuordnen, wodurch