§ 108. IV. Zur Geschichte des Zeichenunterrichtes.
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zeichnen, für welches Schiefertafeln oder Hefte mit quadratischemLiniennetz (das aus senkrechten und wagrechten Geraden von 1 cmWeite besteht) hergestellt sind, ist für die elementarsten Übungenberechnet. Es darf nicht zu lange fortgesetzt werden, da es Augeund Hand nur beschränkt und einseitig bildet. Die naturgernäfsesteSteigerung besteht nun darin, dafs man von dem Liniennetz dieSchnittpunkte desselben übrig behält, so dafs der Schüler nur diesePunkte frei zu verbinden hat, was nicht blofs durch gerade, sondernauch durch krumme Linien geschehen kann.
Das Zeichnen nach dem Punktsystem oder das stigmo-graphische Zeichnen stellt etwas höhere Forderungen als dasNetzzeichnen und bereitet, da man die Punktweite in den Heftenauf 2 oder 3 cm steigern kann, das Freihandzeichnen stetig fort-schreitend vor. Auch beim stigmographischen Zeichnen hat derLehrer die Wandtafel nötig. Dr. Franz Karl Hillardt (f 1872)bildete diese Idee zu einer ziemlich verbreiteten Methode aus. Ihmschlössen sich Müller, Stuhlmann, Fr. Huther, Voltz,Bauer und Rein u. a. mit Erfolg an. Ihre Werke begründen dieNotwendigkeit des Massenunterrichtes und liefern hiebei schätzbareFingerzeige neben sehr guten und schönen Motiven. Auch dieseMethode fand erklärücherweise sofort ihre Gegner. Diese führenbesonders an, dafs die stigmographische Methode den Schülern dieSache zu leicht mache, dafs sie daher die Formen nicht selbst em-pfinden und infolgedessen sich auch nicht fest einprägen; dafsferner die Kinder an ein mechanisches Nachahmen gewöhnt werdenund später ratlos dastehen, wenn sie die Formen frei auffassen unddarstellen sollen, endlich dafs das Linien- und Punktnetz den Augenschade. Aus letzterem Grunde ist der Gebrauch der Linien- undPunktnetze in Bayern verboten worden.
Dem stigmographischen Zeichnen steht eine andere Richtunggegenüber, welche den Zeichenunterricht erst mit dem 10. Lebens-jahre, dann aber sofort mit dem Freihandzeichnen nach Wandtafelnbeginnt. Diese Richtung vertreten neben dem »Verein deutscherZeichenlehrer« Inspektor Flinzer in Leipzig, Professor Weis-haupt in München, Kumpa in Darmstadt, H. Schmidt u. a.Sie beginnen mit geometrischen Formen und mit Anwendung einerReihe von Hilfslinien, die nach und nach seltener werden und zu-letzt ganz wegfallen. Ihnen gegenüber wurde von Seiten der Volks-schulpädagogen hervorgehoben, dafs wie der Schreibunterricht auchder erste Zeichenunterricht als malender (nicht systematischer)schon im ersten Schuljahr beginnen könne (Regensburger Vorlagen),woran sich im zweiten oder dritten Schuljahre die Anfänge des
Böhm, Praktische Unterrichtslehre. 4. Aufl.
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