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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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§ 108. IV. Zur Geschichte des Zeichenunterrichtes.

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Volksschulen in Bayern v. J. 1804, indem er für alle Klassen denZeichenunterricht vorschrieb, in der 1811 erschienenen »näheren Be-stimmung der Lehrordnung« aber fast gänzlich wieder davon abkam.Das bisher fast ausschliefsliche Zeichnen nach Vorlagenführte nämlich auf Abwege. Sehr bald trat an Stelle des nacheiner naturgemäfsen Methode vom Leichteren zum Schwereren fort-schreitenden Ganges ein rein mechanisches Abzeichnen (Ab-stechen, Messen, Durchpausen, Fensterzeichnen) der Vorlegebilderohne bestimmte Stufenfolge.

2. Durch ein neues methodisches Prinzip suchte Peter Schmidin seinem »Naturzeichnen für den Schul- und Selbstunterricht«(Berlin 1828) den Zeichenunterricht zu reformieren und wieder inAnsehen zu bringen. An Stelle des gedankenlosen Kopierens derVorlagen setzte er das Zeichnen nach der Natur, d. h. nachkörperlichen Gegenständen, weil nach seiner Ansicht das praktischeLeben nicht das Zeichnen nach Bildern, sondern nach Gegenständenfordert. [Er begann mit der Nachahmung der Natur in der Weise,dafs er 13 rechteckige und runde Holzkörper (Würfel, Cylinderund deren Zusammensetzung) nachbilden liefs.] Das Körperzeichnenerhielt eine weitere Förderung durch die Brüder Ferdinand undAlexander Dupuis in Paris (1832), welche Drahtmodelle vonLinien, Winkeln und geschlossenen ebenen und körperlichen Figuren,planimetrische Holzstabmodelle und (für die letzte Stufe) mas-sive Körper zunächst für den Unterricht an Handwerker schufen. Einen Apparat nach demselben Prinzip stellte Friedrich Heimer-dinger in Hamburg in 12 einfachen, aber methodisch ge-ordnetenHolzkörpern her, wozu er 1857 eine Anleitung schriebunter dem Titel: »Die Elemente des Zeichnens nach körperlichenGegenständen.« Trotz dieser Versuche konnte das perspekti-vische Zeichnen in der Volksschule keinen Boden gewinnen, daes einen Grad von Verstandesreife voraussetzt, welcher hier zwaranzustreben, aber selten zu erreichen ist.

3. Die Schwierigkeit des perspektivischen Zeichnens führtewieder zum Kopieren. Hierbei machten sich zwei Richtungengeltend. Die eine blieb beim Zeichnen nach allen möglichen Vor-lagen (Pflanzen und Tiergestalten, Teile des menschlichen Körpers,kleine Landschaften), während die andere das Linearzeichnenpflegte, aber das Zeichnen von Flachornamenten und Verzierungen,welches für das praktische Leben von Wichtigkeit ist, vernach-lässigte. Dazwischen waren einige Zeichenlehrer (Lüben undOtto) eifrig bestrebt, die Kopiermethode von dem geistlosenMechanismus dadurch zu befreien, dafs sie das Natur zeichnen in