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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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3. Der Unterricht im Zeichnen.

III. Das Nachzeichnen des Schülers geht nun unter Kom-mando des Lehrers in gleicher Weise vor sich. Schlielslich wirddas Ganze mit Gummi überrieben, die Mittellinien werden ganz ge-löscht und die beiden Quadrate, das auf einer Seite liegende unddas auf Eck stehende, vom Schüler sorgfältig rein gezeichnet; dievier abgeschnittenen Dreiecke des grofsen Quadrats können schraffiertoder mit schwachem Farbenton ausgelegt werden. Dabei ist angetäfelte Fufsböden, Thürfüllungen etc. zu erinnern, wo diese ein-fachen Formen Anwendung finden.

Durch weitere Halbierungen der Mittelgeraden und der äufserenQuadratseiten und durch Verbindung der Halbierungspunkte mit Geradenentstehen allmählich verschiedene Zierformen, Sternflguren etc., auf welchewegen der Handarbeiten besondere Rüchsicht zu nehmen ist.

§ 108.

IV. Zur Geschichte des Zeichenunterrichtes.

1. Der Zeichenunterricht ist ein verhältnismäfsig noch jungerLehrgegenstand der Volksschule, obwohl schon Comenius in derVorrede zum orbis pictus das »Nachmalen« empfahl, und dasZeichnen bei den Philanthropisten einen Platz im Schulunterrichtangewiesen erhielt. Einen methodischen Gang findet man jedochweder bei jenem noch bei diesen. Das Verdienst, den Zeichen-unterricht in seiner ganzen (besonders formalen) Bedeutung päda-gogisch gewürdigt und zuerst zu einem elementaren Lehrfachemethodisch umgestaltet zu haben, gebührt Pestalozzi und seinenSchülern. Ersterer stellte neben Sprache und Zahl als drittesElementarmittel des Unterrichts die Form, um an den Elementenderselben die sinnliche Vorstellungskraft bis zum Selbst-schaffen ästhetischer Gebilde zu steigern. 1 ) Joh. Ramsauermachte in seiner methodischen »Zeichnungslehre« den Anfang mitder Übung des Augenmafses an geraden, parallelen, krummenund gemischten Linien, übte die Hand durch Nachzeichnen, bildeteden Schönheitssinn durch Kopieren von Ornamenten und Ver-zierungen, regte die Erfindungsgabe an durch Selbsterzeugen-lassen neuer Gebilde und lehrte endlich die Perspektive inelementarer Weise. Dieser Anregung folgte der Lehrplan für die

1) In richtiger Erkenntnis der Bedeutung des Zeichenunterrichtesschreibt er: »Durch die "Übung in Linien, Winkeln, Bogen wird Festig-keit in der Anschauung aller Dinge erzeugt und eine Kunstkraft in dieHand des Schülers gelegt, deren Folgen entscheidend dahin führen, ihmalles was in den Kreis seiner Anschauungs-Erfahrungen hineinfällt, klarund allmählich' deutlich zu machen.«