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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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§ 107. III. Die Methode des Zeichenunterrichtes.

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der Zeichnung sind im Interesse der ästhetischen Bildung zu fordern.Es empfiehlt sich daher, jede Zeichenstunde mit der Visitation derHände und des Zeichenmaterials zu beginnen und nachzusehen, obdie Schüler ordentliche Hefte, gutgespitzte Stifte, sauberes Gummi,entsprechende Schmutz- und Unterlegblätter etc. haben. Ein rein-liches Zeichenheft mit geringen Leistungen ist .höher zu schätzen,als ein unreines, zerfetztes mit besseren Zeichnungen. Unsaubere,zerrissene Hefte sind ein Armutszeugnis für des Lehrers Disziplin.Aus Gründen der Reinlichkeit empfiehlt es sich, die Schulzeichen-hefte (Blöcke) im Schulschranke aufzubewahren.

b) Gehe den Schülern mit einem guten Beispielvoran!

Dieser Ratschlag fordert, dafs der Lehrer stets möglichst schöneVorbilder so an die Tafel zeichnet, dafs die Schüler die Hand-bewegungen und alle anzuwendenden Vorteile sehen können. DieTafelzeichnungen sind in möglichst reinen, scharfen Linien herzu-stellen, damit sie in den Augen des Schülers nichts zu wünschen übriglassen. Wenn dies über die individuelle Fähigkeit hinausgeht, so hatder Lehrer vor der Stunde durch kaum sichtbare Hilfspunkte an derWandtafel sich die Gewähr für eine befriedigende Lösung zu schaffen.

c) Halte während des Vorzeichnens dazwischenUmschau nach den Schülern und beobachte sie auchgenau, wenn sie in die Hefte zeichnen.

Jede Zeichnung des Schülers mufs dessen selbständige Arbeitsein. Achtet er auf das Vorzeichnen, und gibt es keine unerlaubteHilfe beim Nachzeichnen, so erweisen die bei der Prüfung vor-gelegten Zeichenhefte und eine Prüfungszeichnung seine wirklicheZeichenfertigkeit.

Diese Regeln entstammen nicht der Werkstatt des Künstlers,,sondern der Praxis des Schulmannes, welcher sich kein zu hohesZieL steckt, es aber mit der Mehrzahl seiner Schüler erreichen will.Ist ein Zeichenkünstler damit nicht einverstanden, so sei ihm be-merkt, dafs wir dem Rate des berühmten Hippius beipflichten:»Lieber Lehrer, gehe besonnen deinen Weg und lasse dich durchKünstler nicht irre machen; denn Lehrer und Künstler verstehensich selten. Der wahre Maler ist am glücklichsten, wenn er malt,der wahre Lehrer, wenn er lehrt. Künstler bilden von aufsen her-ein durch ihr Können, Lehrer bilden von innen heraus durch ihrWissen. Jener erlangt lauten Ruhm, dieser stillen Segen. DerLohn der Lehrerarbeit aber sei nicht Künstlerbeifall, sondern derGeistesgewinn und die Seelenfreude deiner Schüler!« (Vergl. Kehr,.Praxis der Volksschule.)