Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
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,,0 Nai's," erwiderte die boshafte Amelie, „NaTs ist sehrglücklich über diese Leidenschaft. In ihrem Alter hat dieLiebe eines jungen Mannes so viel Verführerisches! Manwird bei ihm wieder jung, man macht sich zum jungenMädchen, man nimmt die Manieren, das ängstlich ver-legene Wesen des jungen Mädchens wieder an, und mandenkt nicht an die Lächerlichkeit . . . Sehen Sie nur an,der Sohn eines Apothekers spielt sich bei Frau von Barge-ton als Herr auf!" „Die Liebe kennt nicht solche Schran-ken," trällerte Adrian.

Am nächsten Tag gab es kein einziges Haus in Angou-»erae, in dem man nicht von der großen Intimität zwischen-Herrn Chardon, alias von Rubempre, und Frau von Barge-ton sprach: sie, die kaum ein paar Küsse getauscht hatten,Wurden von der Welt schon des sträflichsten Glückes be-zichtigt. Frau von Bargeton erntete nun die Strafe für ihre"Teilung als Königin von Angouleme. Zum SeltsamstenUi den Absonderlichkeiten der Gesellschaft gehören dieseIür e launenhaften Urteile und ihre verrückten Anforde-rungen. Es gibt Menschen, denen alles erlaubt ist: siekönnen die unvernünftigsten Dinge machen, ihnen stehtalles wohl an; alle beeifern sich, ihre Handlungen zu recht-fertigen. Aber es gibt andere, gegen die die Welt unglaub-llc h streng ist: die müssen alles recht machen, dürfen sichnie täuschen, nie einen Fehler machen, nicht einmal eineu nmmheit begehen; man könnte sie für bewunderte Sta-uen halten, die man von ihrem Postament nimmt, sowieder Frost ihnen einen Finger oder die Nase beschädigt* a t; man gestattet ihnen nichts Menschliches, sie sind ver-pflichtet, immer göttlich und vollkommen zu sein. Eineinziger Blick, den Frau von Bargeton Lucien zuwarf, galtda ebensoviel wie die zwölf Jahre Liebesglück zwischenJ izine und Francis. Ein Händedruck zwischen den beidenliebenden zog alle Blitzstrahlen der Charente auf sie herab.

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