Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

bringt mich besser in Ordnung, als wenn ich nach demEssen vorlesen höre."

Lucien blieb, von Herrn von Bargeton und von Louisemit Auszeichnung behandelt, von den Lakaien mit demRespekt bedient, die sie für die bevorzugten Freunde desHauses hatten, im Hotel Bargeton. Mehr und mehr be-trachtete er den Genuß eines Vermögens als sein eigen,dessen Nutznießung ihm gestattet war. Als der Salonvoller Menschen war, fühlte er sich der Dummheit desHerrn von Bargeton und der Liebe Louisens so sicher,daß er eine herrische Miene annahm, zu der ihm seineschöne Geliebte noch mehr Mut machte. Er genoß dieFreuden der Despotie, die Na'is erobert hatte, und diesie gern mit ihm teilte. Kurz, er versuchte an diesemAbend die Rolle eines kleinstädtischen Helden zu spielen.Einige unter den Anwesenden dachten, als sie die neueHaltung Luciens bemerkten, er wäre, wie man sich wohlfür eine bestimmte Sache ausdrückt, mit Frau von Bargetonschon ganz und gar einig. Amelie, die mit Herrn duChätelet gekommen war, sprach in einer Ecke des Salons,in der sich die Eifersüchtigen und Neidischen gesammelthatten, von diesem großen Unglück als einer sichern Sache.

„Machen Sie Nais nicht für die Eitelkeit eines jungenMenschen verantwortlich, der voller Stolz darauf ist, daßer sich in einer Welt befindet, in die er niemals zu kommenhoffte," sagte Chätelet. „Sehen Sie nicht, daß dieserChardon die anmutigen Phrasen einer Weltdame für eingewisses Entgegenkommen hält? Er kennt noch nichtden Unterschied zwischen der Verschwiegenheit derwahren Leidenschaft und der Beredsamkeit der Protektion,die seine Schönheit, seine Jugend und sein Talent ver-dienen! Die Frauen wären sehr beklagenswert, wenn siefür alle Wünsche verantwortlich wären, die sie, uns ein-flößen. Er ist sicher verliebt, aber Nai's ..."

152