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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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§ 93. IV. Zur Geschichte des naturkundlichen Unterrichtes. 311

geschichte von den Weltkörpern und den Naturreichen, bei denPsalmen von der Herrlichkeit des Schöpfers, bei Hiob, den salo-monischen Schriften, dem Sirach, von den Tieren und dem mensch-lichen Körper«; im letzteren Falle liefs man aus dem Lesebucheinzelne Abschnitte über naturkundliche Gegenstände vorlesen underklärte sie, so gut es ging. In den wenigen Schulen, in denendie Naturkunde als selbständiger Unterrichtsgegenstand auftrat,behandelte man sie in ganz unelementarer Weise. Den Unter-richt in derselben eröffneten, wie das leider heutzutage noch invielen Schulen geschieht, eine Reihe von Definitionen, die vomLehrer vorgesagt, von den Schülern nachgesprochen wurden. Wasman unter Natur, Natur- und Kunstprodukt, Naturlehre und Natur-geschichte, Zoologie, Botanik, Mineralogie, Tier, Pflanze und Mineral,Naturerscheinung, Naturgesetz und Naturkraft u. s. w. verstehe, dasalles mufste der Schüler nachsagen. Dieser Einleitung folgte nundie Einteilung der Naturkörper und Erscheinungen, sowie die Auf-zählung derselben. Und in welcher Weise wurden nun diese be-handelt! Anstatt die Erscheinungen und Naturkörper mit denSchülern zu beobachten und anzuschauen, erzählte man ihnenallerlei >merkwürdige Geschichten« und Anekdoten von denselben,streute überall erbauliche Nutzanwendungen ein. Dafs ein solcherUnterricht des formalen Bildungsstoffes fast gänzlich entbehrte,nicht die geringste Kenntnis der Natur vermittelte, braucht kaumgesagt zu werden.

Etwa vom 3. Jahrzehnt unseres Jahrhunderts an begann eineentschiedene Wendung zum Besseren, indem um diese Zeit sowohlfür die Naturgeschichte als Naturlehre zweckmäfsigere Methodenvorgezeichnet wurden. Nachdem schon Harnisch 1825 einebessere methodische Behandlung des naturgeschichtlichenUnterrichtes angeregt hatte, gabLüben in mehreren Schrifteneine bis ins einzelne gehende Anleitung hierzu.

Letzterer stellte für die unterrichtliche Behandlung der Natur-geschichte folgende Grundsätze auf:

1. Beginne mit den Naturkörpern der Heimat und schliefsean diese die der fernen Länder an.

2. Beachte vorzüglich solche Naturkörper, welche durch ihre Gestaltoder andere Eigentümlichkeiten ausgezeichnet sind, sorge aber auchdafür, dafs das Kind diejenigen kennen lerne, welche auf das Wohl undWehe der Menschen einen bedeutenden Einflufs ausüben.

3. Mache mit den Naturkörpern den Anfang, welche das Kind amleichtesten auffafst.

4. Wähle die Naturkörper so aus, dafs der Schüler in jedem Kursusein abgeschlossenes Ganzes und in jedem folgenden eine Erweiterungdes vorhergehenden erhält.

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