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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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289
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§ 90. I. Ziel und Bedeutung des naturkundlichen Unterrichtes. 289

Damit durch den naturkundlichen Unterricht klaresVerständnis der Natur in den Schülern angebahnt werde,muls er denselben folgende Kenntnisse vermitteln:

1. Er muls den Schülern zeigen, dals jedes Einzel-wesen (jedes Tier und jede Pflanze) ein in seinerArt vollkommener Organismus ist, dessen Körper-bau und Lebensäufserungen in der innigsten Be-ziehung zu einander stehen. Die Thatsache, dafs Ein-richtung, Aufenthaltsort und Lebensweise eines Naturwesenszu einander passen (einander entsprechen), nennt mau dasGesetz der physiologischen Zweckmäfsigkeit (oder dasGesetz der Erhaltungsmäfsigkeit). Damit den Schülern diese,für eine richtige Auffassung der Natur unumgänglich not-wendige Wahrheit zum Bewufstsein komme, mufs sie jederEinzelbetrachtung zu Grunde gelegt werden.

2. Er hat den Schülern zu zeigen, dafs jedes Wesenein Glied des grofsen Ganzen ist und dem Bestehendesselben dient. Auch das Verständnis dieser Wahrheit(Gesetz der organischen Harmonie) ist zu einer richtigenNaturauffassung sehr wichtig.

3. Er mufs die Schüler darüber belehren, dafs auch derMensch ein Glied des grofsen Naturganzen ist, undzwar sowohl ein von demselben beeinflufstes, als eindasselbe bis zu einem gewissen Grad beeinflussen-des. Der Schüler soll einerseits ahnen und erkennen, dafs unserDasein aufs innigste an die Natur geknüpft ist, dafs wir unsihren Einrichtungen und Ordnungen unbedingt fügen müssenund uns ihren Gesetzen keinen Augenblick entziehen können;andererseits soll ihm aber auch zum Bewufstsein gebrachtwerden, dafs der Mensch infolge seiner Intelligenz mehr alsalle anderen Wesen auf die Natur einzuwirken und sich die-selbe dienstbar zu machen vermag.

4. In der unter 1 bis 3 angegebenen Weise mufs derSchüler schliefslich zu der Erkenntnis gebracht werden, dafsdie ganze Natur ein wohlgeordnetes, von unwandel-baren Gesetzen regiertes, in stetem Wirken undSchaffen befindliches Ganzes ist.

Böhm, Praktische Unterrichtslohre. 4. Aufl. 19