Druckschrift 
2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
Entstehung
Seite
284
Einzelbild herunterladen
 

284

2. Der Unterricht in der Geschichte.

III. Anwendung. Zur Befestigung und Einübung: SchildereLand und Leute von Bayern nach dem österreichischen Erbfolge-krieg! Weise aus der Geschichte Max' III. nach, dafs »Friede er-nährt«. Warum heilst er der Gute oder Vielgeliebte ? MaximiliansCharakter.

§ 88.

IV. Geschichte der Methodik des Geschichtsunterrichtes.

1. Der Geschichtsunterricht bis zum 18. Jahrhundert.

Bereits Arnos Comenius hatte die Forderung aufgestellt,dafs auch in der Muttersprach- oder Volksschule die allge-meine Geschichte der Welt »nach ihrer Erschaffung, Verderbnis,Wiederherstellung und Regierung durch die Weisheit Gottes« ge-lehrt werden solle; die Forderung blieb jedoch unerfüllt. Nichteinmal in den Schulen Herzog Ernste des Frommen von Gotha,den besten ihrer Zeit, erhielt die Geschichte Eingang.

2. Der Geschichtsunterricht im 18. Jahrhundert.

In der Volksschule fand die Geschichte auch jetzt nochkeine bleibende Stätte. Francke wollte die Geschichte nur in denLehrplan höherer Schulen aufgenommen wissen; für seine Waisen-kinder erachtete er es für ausreichend, wenn ihnen der Lehrer»dann und wann einmal auf ihrem Spaziergange eine nützlicheoder erbauliche Historie erzähle«.

In methodischer Beziehung ist der Geschichtsunterrichtdurch die Pietisten nicht gefördert worden. Es kam im wesent-lichen nur auf die gedächtnismäfsige Einprägung von Zahlen undNamen an, die durch viele Repetitionen, Denkverse, Merkbilder') etc.unverlierbarer Besitz der Schüler werden sollten.

Bedeutender wurden unzweifelhaft die Philanthropisten fürdie Wertschätzung und schulmäfsige Gestaltung unserer Disziplin.Basedow erachtet es für notwendig, dafs der Schüler vor derBeschäftigung mit der eigentlichen Geschichte mit dem Inhalthistorischer Begriffe vertraut gemacht werde. Ein zweitesHauptmittel, eine verständnisvolle Auffassung der Geschichte an-

') Ein in der damaligen Zeit viel gebrauchtes Lehrbuch der Geschichte(Idea historiae) von Buno enthält sieben Foliotateln mit Bildern, durchwelche das Merken historischer Namen und Zahlen erleichtert werden soll.Diese Bilder sind freilich sehr albern und sinnlos. Um z. B. die Namender Söhne Noahs zu merken, sind drei Männer abgebildet, einer mit einerSemmel (Sem), der andere mit einem Hammer (Harn), der dritte sehr dick;denn er ist »jafett« (Japhet).

>