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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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§ 83. V. Zur Geschichte der Methodik des geogr. Unterrichtes. 265

Grundsätze. Die Schule, welche sich vor allem diese neuen Prin-zipien angeeignet, ist die philanthropische, an deren SpitzeBernhard Basedow (17231790) steht. Jm Anschluls anRousseau fordern die Anhänger dieser Richtung nachdrücklichstdie Befolgung des synthetischen Lehrgangs. So besondersSalzmann (17441811).

»Ehe meine Zöglinge«, so schreibt Salzmann, »um die Produkte vonOst- und Westindien sich bekümmern, sollen sie erst die Produkte unseresLandgutes und des Thüringer Waldes kennen lernen. Ehe wir vom kar-patischen Gebirge und dem Pindus plaudern, ehe wir uns mit Paris,Lissabon, Born und Athen bekannt machen, müssen wir schon mit derKette von Gebirgen, an deren Eufs wir wohnen, bekannt sein, den Insels-berg besucht, nach Franken, Hessen, Thüringen geschaut, wenigstenseinige Dörfer und Städte besehen haben, damit sie sich bei den WortenGebirge, Stadt, Dorf, Städtchen, Provinz etwas Richtiges denken können.Ehe sie die Statistik von Spanien lernen, sollen sie sich erst mit derStatistik von Gotb«a vertraut machen; denn alles Plaudern eines Kindes,das noch keine deutlichen Begriffe hat von der natürlichen und politischenVerfassung der Provinz, in der es erzogen, von dem karpatischen Gebirge,von der Regierungsform und den Einkünften in Frankreich oder China,ist weiter nichts als Starengeschwätz und noch weit weniger; der Stardenkt sich gar nichts, wenn er spricht, ein solches Kind aber etwas ganzFalsches.«

Wie sehr die Vernachlässigung der Heimatkunde sich rächt,belegt Salzmann noch durch folgendes Erlebnis:

>Ich habe einen Mann gekannt,« lautet die Erzählung, »der seinKind so gut in der Geographie abgerichtet, dafs er mit demselben beijeder Gelegenheit paradieren konnte. Als aber einmal Kind und Vatersich ihrer Geschicklichkeit wegen brüsteten und die Rede auf einerussische Armee kam, die durch Preufsen und Pommern marschierenund sich mit den Preufsen vereinigen sollte, fragte das. Kind, wie es dennmöglich sei, dafs soviel Leute auf einem so kleinen Stückchen Papier,wie Preufsen wäre, Platz haben könnten. Der Vater schwieg betroffenstill, wurde rot und schob den Unterricht in der Geographie fünf Jahreweiter hinaus.« »Ich denke«, fügt Salzmann noch bei, »meine Zöglinge,wenn sie das Herzogtum Gotha in natura und dann auf der Spezial- undGeneralkarte gesehen, sollen solche Fragen nicht stellen.

Das Streben der philanthropistischen Schule nach Verbesserungdes geographischen Unterrichts ward in jener Zeit in bedeutsamerWeise unterstützt durch Jos. Christoph Gatterer (17271799),dessen »Abrifs der Geographie« (1775) für Schule und Wissenschaftgleich wichtig wurde. In diesem Buche ist nämlich das politisch-statistische Material äufserst nüchtern zusammengestellt, das Streben,nach natürlichen Verhältnissen zu gliedern, tritt stark hervor, und