1. Der Unterricht in der Geographie.
Stelle eingeräumt; doch wollte er sie auch nicht gänzlich aus-geschlossen wissen.
»Den Schülern soll aufser den ordentlichen Schulstunden gleichsamspielender Weise das Nötigste beigebracht werden.«
Der gesamte geographische Unterricht jener Zeit litt indes anzwei wesentlichen Gebrechen: Die physische Geographiewurde fast ganz vernachlässigt und die einzelnen Ma-terien auf rein äufserliche Weise, ohnejegliche Berück-sichtigung des inneren Zusammenhangs, aneinander-gereiht.
Die Grundlinien einer neuen Elementarmethode für die Geo-graphie zeichnete J. J. Rousseau (1712—1778). Getreu seinerForderung eines anschaulichen Unterrichts, eifert er vor allemgegen jene Art geographischer Belehrung, die allesWissen nur aus Büchern aufbaut.
»Bei jedem Studium«, sagt er, >sind Zeichen ohne den Begriff von,den durch sie repräsentierten Sachen wertlos. Gleichwohl beschränktman das Kind stets nur auf diese Zeichen, ohne jemals imstande gewesenzu sein, ihm etwas von den Sachen selbst zum Verständnis zu bringen.Während man ihm eine Beschreibung der Erde zu geben meint, lehrtman es die Karte kennen, lehrt es Namen von Flüssen, Städten, Ländern,von denen es sich nicht vorstellen kann, dafs sie noch irgendwo andersals auf dem Papier, auf welchem man sie ihm anzeigt, existieren.« —»Ich erinnere mich«, fährt Rousseau fort, »irgendwo eine Geographiegelesen zu haben, deren Anfang lautete: Was ist die Erde? Sie ist eineKugel aus Pappe.« Gerade von derselben Art ist die Geographie derKinder. Ich bin überzeugt, dafs kein Kind von zehn Jahren nach zwei-jährigem Unterricht in der Sphärik, Kosmographie und Geographie im-stande ist, sich mit Hilfe der Kegeln, die ihm gegeben, von Paris nachSt. Denis zu finden, ja nicht ein einziges imstande ist, nach einem Planevom Garten seines Vaters die Wege in demselben zu finden, ohne sichzu verirren.« »Das sind die gelehrten Leutchen«, so schliefst diese herr-liche Stelle, »welche sofort anzugeben wissen, wo Peking, Ispahan, Mexikound alle Länder der Erde liegen.«
Der geographische Unterricht hat nach Rousseauvon der Heimat auszugehen.
»Die Stadt, in der das Kind wohnt, und das Landhaus seines Vaterswerden die beiden ersten Punkte der Geographie sein. Darauf folgendie Orte, die zwischen beiden liegen, hierauf die Flüsse in der Nachbar-schaft, endlich der Stand der Sonne und die Art, sich zu orientieren.«
Auch dem Kartenzeichnen redet Rousseau bereits das Wort.
Wie Rousseaus Erziehungsideen überhaupt in Deutschlandmächtigen Widerhall fanden, so gilt dies namentlich auch bezüg-lich der von ihm für den geographischen Unterricht aufgestellten