§ 83. V. Zur Geschichte der Methodik des geogr. Unterrichtes. 26/5
Arnos Comenins, der grolse Pädagoge des 17. Jahrhunderts (fl671),im Ansehlufs an Bacon von Verulam (1561—1626) und Michelde Montaigne 1533—92), die vorzugsweise auf realistisches Wissendrangen, Unterricht in der Geographie nicht blofs für die Latein-schule, sondern bereits auch für die deutsche Schule oder dieVolksschule; ja die geographischen Grundbegriffe hat nach ihmschon die Mutterschule (die Schule bis zum sechsten Jahre) zuvermitteln.
»Eine Einleitung in die Geographie findet statt«, so fuhrt Comeniusin seiner grofsen Unterrichtslehre aus, »wenn die Kinder verstehen lernen,was ein Berg, ein Thal, ein Acker, ein Flufs, ein Dorf, ein Flecken, eineStadt ist; und in der Astronomie wird es ein Anfang sein, wenn das Kindweifs, was man Himmel, Sonne, Mond, Sterne nennt, und wenn es bemerkt,dafs sie täglich auf- und untergehen«. In der Volksschule dann »sollihnen das Wichtigste aus der Weltkunde mitgeteilt werden, besondersvon der Rundung des Himmels, von der Kugelgestalt der Erde, von derBewegung des Meeres, von der mannigfach gekrümmten Gestalt derMeere und Flüsse, von den Erdteilen, von den hauptsächlichsten ReichenEuropas,'insbesondere von den Städten, Flüssen und Bergen des eigenenVaterlandes«.
Der Gang, den Comenius für die Volksschule vorschreibt, istrein analytisch; doch verdient es volle Beachtung, dafs er dieKenntnis des eigenen Vaterlandes ganz besonders betont.Auch unterstützte er den Unterricht in der Geographie nicht un-wesentlich durch die Abbildungen in seinem berühmten orbispictus. Von hoher Bedeutung ist es ferner, dafs er auf die Behand-lung der geographischen Grundbegriffe bereits vor dem eigent-lichen erdkundlichen Unterricht dringt; denn von der richtigenErfassung der ersteren ist ja der Erfolg des letzteren bedingt.
Achtzehntes Jahrhundert.
Wesentliche Förderung erfuhr der geographische Unterrichtin der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch das Haupt derpietistischen Schule, August Hermann Francke (1663—1727).
Die Geographie erscheint in seinen höheren Schulen, demPädagogium und der Lateinschule, nicht mehr, wie das im 17. Jahr-hundert noch vielfach der Fall war, als Anhängsel andererWissenschaften, namentlich der Geschichte, sondern er nahm sieals besonderes Unterrichtsfach in den Lehrplan dieser Schulenauf und wurde hiedurch Veranlassung, dafs die Geographie wenig-stens in den Gelehrtenschulen mehr und mehr in die Stellung einerselbständigen Disziplin eintrat. In seiner deutschen Schule hatFrancke der Geographie im eigentlichen Unterrichte noch keine