Druckschrift 
2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
Entstehung
Seite
257
Einzelbild herunterladen
 

§ 81. III. Eigentlicher geographischer Unterricht.

257

sehen Hauptmomente eines Naturgebietes deutlicher und be-stimmter herausgehoben werden, als dies durch Atlas undWandkarte geschieht. Bezüglich der Herstellung der Karten-skizze selbst hat als oberster Grundsatz zu gelten"; sie sei soeinfach als möglich. Zur Bezeichnung der Gebirge dienenkräftige Striche, die Flufsläufe werden nur in der Hauptrich-tung angegeben u. s. w. Dabei wählt man zur besseren Be-lebung der Skizze recht zweckmäfsig verschiedenfarbige Kreide,am besten in der Weise, dafs zur Darstellung der geographi-schen Objekte dieselbe Farbe verwendet wird, wie auf derWandkarte. Des weiteren ist darauf zu achten, dafs die Skizzestets nur ein beschränktes Gebiet umfasse und der Betrach-tung der Wandkarte folge.

2. Suche dem Schüler das Verständnis derinneren Bezi eh u ngen der . ge o graphische n That-sachen zu erschliefsenl

Welche Schwierigkeit soll es z. B. für Volksschüler haben, denGrund davon zu erkennen, dafs die Flüsse der schwäbisch-bayerischenHochebene nördlichen oder nordöstlichen Lauf nehmen, dafs die Flüsseder norddeutschen Ebene eine nordwestliche Richtung haben, dafs amBodensee Magnolien und Bignonien den Winter im Freien bestehen,während München sogar eine geringere mittlere Jahrestemperatur hatals Berlin, dafs die Hochfläche von Oberbayern kaum 60 Einwohnerpro qkm zählt, während der Begierungsbezirk Düsseldorf auf dem gleichenFlächenraum an 500 aufweist u. s. w. ?

Da gerade in dieser Art der Behandlung des geographischenUnterrichts die geistbildende Seite ganz besonders ihrenAusdruck findet, so wird der mit dem erdkundlichen Unterrichtbetraute Lehrer ihr nachdrücklichst Rechnung tragen. Nurgilt hier wie auch sonst das Solonische »Nimmer zu sehr«,namentlich mit Bezug auf die Volksschule.

3. Ziehe häuf ig Vergleichel Dadurch tritt das Ein-zelne scharf in seiner Eigentümlichkeit vor die Seele; es wirddas Interesse geweckt und das Denken geschärft. Gegenständesolcher Vergleichungen können bilden: Länderformen, Gebirge,Flüsse, einzelne Landschaften nach den verschiedenen geo-graphischen Gesichtspunkten u. s. w. Die Vergleichung derbehandelten Naturgebiete soll nicht mehr ein seltener Lecker-bissen im geographischen Unterrichte sein, sie soll ein wesent-liches Element desselben bilden.

Böhm, Praktische Unterrichtslehre. 4. Aufl. 17,