Druckschrift 
2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
Entstehung
Seite
238
Einzelbild herunterladen
 

238

2. Geometrie oder Raumlehre.

:!i

Lernenden, wobei die Fragen des Lehrers stets so eingerichtetsein müssen, dafs die Schüler die gewollten Begriffe undGesetze allmählich selbst finden. An die Stelle von Definitionentreten für die kleinen Anfänger meist die leichteren Be-schreibungen. Sind Gesetze und Sätze gefunden, so gilt es,dieselben kurz und bündig zu fassen und auszudrücken.

Bei Berechnungen knüpfen sich au jede Regel zuerstleichte Kopfrechnungsbeispiele mit kleinen Zahlen, welche dasVerständnis anzubahnen haben; ihnen folgen etwas schwierigereAufgaben zum Tafelrechnen.

2. Dem Anschauen und Betrachten der Dingemüssen Versuche im Darstellen und Nachbildenfolgen.

Ohne Nachbildungsversuche, und Probieren von Seite derSchüler ist der Erfolg des Unterrichtes nur ein halber. Beisolchen Versuchen begegnen nämlich dem Schüler allerleiSchwierigkeiten und eigentümliche Konstellationen, die vor-züglich geeignet sind, die Begriffe und Gesetze erst in vollerSchärfe und Klarheit auszuprägen; der Erfindungsgabe undDenkthätigkeit bieten sie ein reiches Feld. Die Meinung, dafsdazu vielerlei Mittel gehören, ist eine irrige; ein Transporteurmit Mafsstab und eine Glasplatte genügen.

Noch sei darauf hingewiesen, dafs ein Verbinden derRaumlehre mit dem Zeichenunterrichte keineswegs empfehlens-wert ist; denn durch eine solche Verquikung wird erstens denLehrgängen beider Fächer Zwang angethan; zweitens nährtsich jede der beiden Disziplinen auf Kosten der anderen, wasschliefslich zu ungünstigen Resultaten in beiden führt; endlichhandelt es sich im Zeichnen mehr um Bildung des ästhetischenGefühles, in der Geometrie aber um Kenntnis der Forrnen-und Gröfsenverhältnisse.

3. Das Gefundene ist auf das praktische Lebenanzuwenden.

So selbstverständlich diese Forderung ist, mufs sie dennochstets betont werden, weil mancher Lehrer nur zu gerne mittheoretischen Kenntnissen sich begnügt. Und doch zeigen erstdie praktischen Beispiele die volle Wichtigkeit der einzelnenSätze für das Leben, und bieten gerade sie durch ihre Form