§ 76. III. Methode.
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und Einkleidung die interessanteste und schwierigste Geistes-arbeit. Wer blofs Lehrsätze und ihre Beweise kennt, gleichteinem Kunstkritiker, der genau sich eingeweiht hat in dieGesetze der Ästhetik, aber dennoch unfähig ist, das einfachsteKunstwerk herzustellen; — er ist ein Maler, der seine Palettenicht zu halten und seine Farben nicht zu mischen weifs.
t>) Lehrfonn.
In den meisten Fällen ist beim Unterrichte die Frageformdie beste. Die Frage gibt nicht die Sache, wohl aber leitet siedarauf hin. Dabei ist zu merken: was mit zwei Fragen erreichtwerden kann, darf nicht hundert verschlingen. AuCser derFrageform wechselt im lebensvollen Verkehr zwischen Lehrerund Schüler das empirisch-experimentelle Verfahren,das die geometrischen Wahrheiten rein auf serlich durchMessen mit Mafsstab und Zirkel etc. zu vermitteln sucht, mitder geistvollen Katechese, die, von Bekanntem ausgehend,progressiv zu Neuem schreitet; es wechselt die genetischeAbleitung, wobei eine Figur aus der anderen durch einfacheund ungekünstelte Verwandlungen hervorgeht, mit der schwie-rigen, aber fruchtbringenden Heuristik, die jeden Satz demSchüler als Problem vor die Augen hält, ihn auffordernd, Mittelund Wege zu suchen, die zu einer Lösung der Aufgabe führen.Durch die richtige und rechtzeitige Anwendung der verschie-denen Methoden wird sich stets der gute Lehrer hervorthun.
c) Lehrweise.
»Ein Todfeind der Schule ist das Vielreden, die unnützeWortmacherei«, heifst es in Diesterwegs »Wegweiser«, und wahr-lich, dieser Satz gilt vollinhaltlich auch für den geometrischenUnterricht. Wo es sich um logische Entwickelungen, um Ab-leitungen von Gesetzen handelt, rnufs viel gedacht und weniggeredet werden. Wie die Hand eines geschickten Malers mitwenigen Kohlenstrichen porträtiert, so müssen auch einigeWorte die logischen Wege über die zerklüfteten Höhen zuweisen vermögen. Knapp seien daher die Worte, scharfund bezeichnend deren Inhalt; Wortkargheit ist Zeitgewinnund Lungenersparnis. »Und wenn du Nächte durchwachenmüfstest,« schreibt Pestalozzi, »um mit zwei Worten zu sagen,was andere mit zwanzig erklären, so lafs dich deine schlaf-losen Nächte nicht dauern.«