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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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1. Rechnen.

wurde, um es als eine Art Magie betreiben zu können, eine höchstschwierige Kunst, die nur philosophisch geschulte Köpfe miteminentem Gedächtnis sich anzueignen vermochten.

Endlich begann auch für Europa vom Oriente her die Morgen-dämmerung am mathematischen Himmel. Schon vor dem 4. Jahr-hundert n. Chr. leuchtete dort ein glänzender Stern, der sich all-mählich zur belebenden Sonne gestaltete. Im alten Indien (an dertamulischen Akademie zu Madhura) war man um diese Zeit mitunserem heutigen Dezimalsysteme schon ziemlich vertraut; sogarder Stellenwert der Ziffern und die stellvertretende Null warenbekannt. Bis zum 7. Jahrhundert hatte das begabte Kulturvolkseine Arithmetik und Algebra in einer Weise ausgebildet, die unsgeradezu in Staunen versetzt. Ein aus dem Sanskrit ins Englischeübertragenes Rechenwerk des Brahmegupta (um 650 n. Chr.) be-handelt schon die Bruch-, Zins- und Gesellschaftsrechnungen, dieRegeldetri, die Proportionen und Progressionen, Flächen- und Körper-berechnungen, sowie das Ausziehen der Quadratwurzel. Und schonim 12. Jahrhundert, als es im Abendlande noch fast dunkel war,schrieb Bhascara Acharya (1180) seine noch inhaltsreichere »wonne-volle« Arithmetik.

Wenn nun auch die Indier stolz waren auf ihre Wissenschaft,so haben sie doch weniger gegeizt damit, als die Gelehrten desAbendlandes. Schon im Jahre 773 brachte eine indische Gesandt-schaft astronomische Tabellen und eine praktische Arithmetik zuden befreundeten Arabern nach Bagdad, wo der weise Almansorherrschte, und von hier aus verbreitete sich die indische Wissen-schaft mit den erobernden Mauren allmählich über Nordafrika nachSpanien. Trotzdem nun in letzterem Lande fast ausschliefslichindisch-arabische Rechenkunst getrieben wurde, trotzdem Scharenvon Jünglingen aus allen Ländern des übrigen Europas nach denBrennpunkten der maurischen Gelehrsamkeit, nach Sevilla undToledo, strömten: verbreitete sich doch nur sehr allmählich dieneue mathematische Wissenschaft. Daran trug einesteils der Um-stand schuld, dafs fast nur lateinisch geschrieben wurde, andernteilstrat aber auch der Mangel an Schulen hindernd in den Weg. InDeutschland wurde erst mit der Gründung der Universität Wien(1365) eine Leuchte für mathematische Gelehrsamkeit gesetzt undso wenigstens für die Gelehrten und Studierenden eine neue Rechen-weise geschaffen. Das Volk aber wurde vom neuen Lichte nichterhellt; es blieb bei der herkömmlichen Fingerrechnung.

So beschränkte sich die indische Rechenkunst, die man demarabischen Gelehrten Mohamed Ben Musa zu Ehren, der um 830