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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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1. Rechnen.

das zutreffende Urteil Böhme's erinnert, der in dieser Beziehungsagt: »Nicht alle Schüler sind mit gleicher Fähigkeit begabt.Bei den mündlichen Übungen wird es oft vorkommen, dafs dieFähigeren nicht genugsam ihren Fähigkeiten angemessen be-schäftigt werden können, oder dafs die Schwächsten mit ein-zelnen Resultaten im Rückstande bleiben und so ihr Fort-schreiten zu eigenem oder der Gesamtheit Nachteil gehemmtwird. Da ist denn die schriftliche Übung, in der sich dieMenge der zu lösenden Aufgaben nach den verschiedenenIndividualitäten richten kann, ein sehr willkommenes Aus-gleichungsmittel.« Aufserdem hat auch das schriftliche Rechnen,selbst für den gemeinen Mann, mehr noch für Handels- und■Gewerbsleute etc. seinen entschiedenen Wert.

7. Die Rechenaufgaben sollen hauptsächlich-dem praktischen Leben entnommen und überhaupt.zweck mäfsig sein.

Die Schule arbeitet im Dienste des öffentlichen Lebens;es ist daher auch ihre Aufgabe, das letztere zu fördern, wound wie sie es vermag. Zwar hat es von jeher Männer ge-geben, die dem Nützlichkeitsprinzip völlig abhold waren, dieda glaubten, die Aufgaben des praktischen Lebens verlierenalle Schwierigkeiten, sobald der Schüler denken gelernt; es seideshalb einerlei, an welchem Stoffe dasselbe geübt werde. Fürden tiefer Schauenden steht die Sache aber doch etwas anders.Jede angewandte Aufgabe hat, wie Guth richtig bemerkt,wesentlich zwei Seiten; die eine ist die Beurteilung derSache, die andere die Ausführung der Berechnung.Wer eine Aufgabe einmal sachlich verstanden und klar gelegthat, der findet gar leicht zur Berechnung die nötige Form.Die Beurteilung der Sachverhältnisse ist und bleibt dasSchwierigste, und wer es darin an Übung fehlen läfst, wirdtrotz der besten Theorie und der intensivsten Geistesbildungnie ein praktischer Rechner werden. Übung macht den Meister.

Ferner: Angewandte Aufgaben können nur gelöst werdendurch konsequentes Denken und Schliefsen, undgerade darin liegt ein wesentliches Moment für die formaleBildung. Aufserdem wird, wenn die Schule ihren Rechenstoffder Werkstätte, dem Markte, der Landwirtschaft und demHaushalte entnimmt, der Schüler in die Verhältnisse des offent-

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