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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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§ 68. I. Zweck des Rechenunterrichta.

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es, Nebensächliches vom Hauptsächlichen zu scheiden, ausBekanntem Unbekanntes zu ermitteln, Zahlenverhältnisse zuzergliedern oder zu kombinieren; bald ist das gewonneneResultat zu überschlagen, dessen Wahrscheinlichkeit oder Un-möglichkeit zu ermitteln, oder es sind neue Wege zu dem-selben zu suchen. Endlich müssen aus einzelnen Beispielenallgemeine Gesetze und Regeln abgeleitet werden, diewiederum durch Anwendung auf das praktische Leben anBedeutung gewinnen.

Der materielle Zweck des Rechenunterrichts liegt fürjedermann klar auf der Hand. Die Hausfrau, der Familien-vater, die Wirtschafterin, der Zimmermann, der Maurer, derWerkführer, der Geschäftsmann kurz jeder Mensch mufsmit jener Wissenschaft, die es mit Raum und Zahl zu thunhat, mehr oder minder vertraut sein, will er nicht im täglichenHandel und Verkehr finanzielle Nachteile erleiden oder seinLeben lang von anderen abhängig bleiben. Es ist daher Auf-gabe der Volksschule, hierin jenes Mafs zu bieten, das auchdem einfachsten Manne zu einem gedeihlichen Fortkommennotwendig ist.

Aber auch in sittlicher Beziehung hat der Rechen-unterricht seinen Wert. Er schützt vor Zerstreuung, zwingtdie Schüler, ihre ganze Aufmerksamkeit auf einen Punkt zukonzentrieren, stärkt den sittlichen Mut und gibt Selbstver-trauen. Ein guter Rechner ist präzis in seinem Denken,scharf in seinen Urteilen, gründlich in seinen Erwägungenund vorsichtig im Handeln. Das eigene Urteil steht ihmhöher als fremdes. Dieses Selbstvertrauen, das der Rechen-unterricht allmählich einflöfst, ist eine Folge der unwider-stehlichen Logik, die ihm innewohnt; aus ihr erwachsenjene bekannten Eigenschaften, die den willensstarken Manncharakterisieren, nämlich Energie und Ausdauer in allen Be-strebungen.

Endlich sei noch darauf hingewiesen, dafs auch die imRechenunterrichte so notwendige Pünktlichkeit und Ord-nung von nicht zu unterschätzendem erziehlichem Werte ist.