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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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6. Der Unterricht in der Grammatik.

Gottsched und Adelung. Besonders der letztere wufste sichdurch seine verständliche und klare Darstellung der Syntax einenbis nahe an unsere Zeit heranreichenden Einflufs zu sichern. Dasganze 19. Jahrhundert wird beherrscht von den einzig dastehendenForschungen Jakob Grimms (Deutsche Grammatik, 18191837,unvollendet), des Begründers der historischen Grammatik. Für dieVerbreitung der Grammatik und die Vermittelung zwischen Wissen-schaft und Praxis sind, wie bei der Orthographie, neben zahlreichenanderen hervorragend Heyse und Becker zu nennen.

2. Die Geschichte der Methodik des grammatischenUnterrichtes ist, obwohl sie noch kaum einen Zeitraum von andert-halb hundert Jahren umfalst, sehr verwickelt und vielgestaltig.

a) Von Fei big er und Rochow angeregt und von Pestalozziverbessert, blühte bis 1835 die formell-grammatische Richtung.Nach ihr wurde das Deutsche wie eine fremde Sprache erlernt,von der Regel zum Beispiel, von diesem zur Übung geschritten.

b) In den nächsten zehn Jahren entstand durch Beckersund Wursts Thätigkeit die logisch-grammatische Richtung.Hier handelte es sich darum, dafs der Schüler durch Ausbildungseiner Denkkraft die Sprache verstehen lerne, dafs er die Gesetzeder Sprache selbstthätig auffinde. In dieser Absicht wurde unterVernachlässigung der materiellen Spracbzwecke eine populäre Logikbetrieben.

c) Von 1845 an wurde die anlehnende Richtung gepflegt,nach welcher die Grammatik aus dem Lesebuch geschöpft werdenund dieses wiederum zur Befestigung und Anwendung des Erlerntendienen soll. Obwohl diese Richtung Verteidiger wie Kellner,Otto, Kehr, Dittes u. a. fand, läfst sich doch nicht bestreiten,dafs das Lesebuch bei weitem nicht allen grammatischen Zweckengerecht werden kann. Man hat diesem Mifsstande dadurch zu be-gegnen gesucht, dafs man den Unterricht an Mustersätze an-schlofs, welche den Lesestücken entnommen und in einem Anhangedes Lesebuchs enthalten sind.

d) Fast zu gleicher Zeit liefsen sich Stimmen hören, welchenach Jakob Grimms Vorgang jeden theoretischen Sprachunter-richt in der Volksschule als überflüssig erklärten. Diese ver-neinende Richtung führt an, dafs das Kind praktisch in denGebrauch seiner Muttersprache gelange, theoretische Kenntnisse alsonicht nötig habe. Das Studium der Grammatik im volksschul-pflichtigen Alter sei verfrüht, zeitraubend und schade der Gemüts-bildung. Trotz Ph. Wackernagels eifriger Verteidigung hat dieseRichtung niemals Boden gewinnen können.