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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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4. Der Unterricht im Rechtschreiben.

im 16., Schottel und Stieler im 17. Jahrhundert der einflufs-reiche Gottsched mit Geschick und Erfolg sich zum Gesetzgeberauch in Sachen der Orthographie aufwarf, und als Adelung (f 1808)auf dessen Bahn klärend fortwandelte, kam man zu der längstgewünschten Reinigung der Orthographie. Der Grundsatz: »Schreibe,wie man spricht, mit Beobachtung der nächsten Abstammung unddes allgemeinen Gebrauchs« wurde herrschend. Heyse und Beckerhalfen im 19. Jahrhundert diese Schreibung befestigen. (Phone-tisches Prinzip, jedoch mit grofsen Zugeständnissen anden Schreibgebrauch.)

Die bahnbrechenden Sprachforschungen Jakob Grimmslegten viele Mängel dieses Systems blofs und gaben Anlafs zurEntstehung einer Schule, welche die Schreibung nach demhistorisch-etymologischen Prinzip, d. h. auf Grund der geschicht-lichen Fortentwickelung des Neuhochdeutschen, regeln wollte; aberweder Ph. Wackernagels (1848) noch Weinholds (1852) Be-mühungen konnten diesen Grundsätzen allseitige Anerkennungverschaffen. Vielmehr wies R. v. Raum er 1855 nach, dafs einFortschreiten auf Grund des Bestehenden unter Berücksichtigungder Sprachgeschichte für unsere Verhältnisse das Beste seihistorisch-phonetisches Prinzip. In diesem Sinne hat sich auchdie Orthographie weitergebildet und ist nunmehr durch die vonBayern 1879, sodann von allen andern deutschen Staaten amtlichvorgeschriebenen »Regelbücher« für die Schule zu einemgewissen Abschlüsse gebracht.

2. Der orthographische Unterricht bediente sich wieder stilistische seit Ende des vorigen Jahrhunderts nicht mehr blofsder Form des Abschreibens. Er wurde nun durch Diktate, wohlauch durch Vorführung und Verbesserung von fehlerhaft Ge-schriebenem gepflegt, entbehrte jedoch noch der methodischenGliederung. Erst mit dem Aufschwünge der Leselehrmethodenbegann er sich freier, jedoch nicht einheitlich zu entfalten.Olivier, Grafsmann, Harnisch, Diesterweg und Rudolfbevorzugten im Unterrichtsvorfahren den Laut und das Ohr, Bor-mann und Kehr das Wortbild und das Auge, Wander, Heyseund Mohr die Regel und den Verstand. In neuester Zeit hatLay die Methode auf psychologische Versuche zu gründen undan die Entwickelungsgeschichte des Rechtschreibunterrichts anzu-achliefsen versucht.

Die Einführung der erwähnten amtlichen Regelbücher hat sichgegenüber der früher in den Schulen herrschenden Willkür wohlbewährt.