Druckschrift 
2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
Entstehung
Seite
185
Einzelbild herunterladen
 

§ 60. III. Methode.

185

Sprechen wird eingeleitet durch die Elementierübungen desSchreiblesens, wie sich denn überhaupt der orthographischeUnterricht im ersten Schuljahre äutserlich vorn Schreiblesenkaum absondert. Erst vom Zeitpunkte des Buchstabierens angeht er seine eigenen Wege.

Schon .beim Leseunterricht wurde auf die Bedeutung des Buch-stabierens für das Rechtschreiben aufmerksam gemacht. Weil esbestimmter ist als das leicht zu verwechselnde Lautieren, verdient essehr fleifsige Pflege nicht allein im Rechtschreiben (bei der Vorbereitungund Fehlerverbesserung), sondern auch in den übrigen Fächern, sobaldschwierige oder den Kindern fremde Wörter vorkommen. Nach erlangterFertigkeit im Rechtschreiben tritt das Buchstabieren des ganzen Wortesallmählich zurück. Es wird nur mehr das orthographisch Bemerkenswerteangegeben, und in der Oberklasse mufs es genügen, seltene und schwierigeWörter zu buchstabieren.

3. Richtiges Sehen und Einprägen der Wortbildervervollständigt und befestigt die durch Befolgung der vorigenRegel gewonnenen Kenntnisse. Es verleiht dem Gehörten erstdie volle Sicherheit und Nachhaltigkeit und entscheidet nament-lich in den Fällen, wo es auf den Schreibgebrauch ankommt.Es kann auf verschiedene Weise bezweckt werden:

a) durch Vorschreiben schwieriger Wörter aus allenLehrfächern an der grofsen Wandtafel. Alle Fächer unter-stützen auf diese Weise den orthographischen Unterricht;

b) durch Abschreiben aus dem Lesebuche, bzw. Heraus-schreiben einzelner Wörter und Wörtergruppen aus Lese-stücken. Dieses erfordert ein genaues Betrachten des Vorbildes.Blofses Buchstabennachmalen soll hiebei vermieden werden.Fleifsige Übung in den ersten Schuljahren!

c) durch Aufschreiben aus dem Gedächtnis. Auf-geschrieben kann ein memorierter und orthographisch vor-besprochener, ein mehrmal abgeschriebener, ein nur durch-gelesener Stoff werden. Doch dürfen diese ziemlich selbst-ständigen Arbeiten nicht zu früh auftreten, da es am Anfangewie jederzeit gilt, den Schüler vor der Einprägung falscherWortbilder zu bewahren.

4. Orthographische Regeln sind unentbehrlich,denn sie entscheiden in den zweifelhaften Fällen, in denenAuge und Ohr nicht genügen, und erheben durch die Grup-pierung des Stoffes nach grammatischen Gesichtspunkten das