§ 56. IV. Geschichtliches.
181
Beim dritten Punkte: Auf seinem Gipfel sind die Reste einer Burg,... ist das Gemäuer einer alten Burg, ... ist eine Burgruine.Punkt 2 und 3 können auch verbunden werden, z. B.: Seinen be-waldeten Bücken krönt eine zerfallene Burg. — Auf solcheArt wird jeder Dispositionspunkt durchgearbeitet. Der Lehrer schreibtsofort die neugefundenen Ausdrücke an die Schultafel, Jeder Schülernotiert auf seine Schiefertafel nur das, was er selbst gefundenhat, schafft sich also einen selbständigen, von den übrigen verschiedenenAufsatz. Wer nichts gefunden hat, mufs bei der schliefslichen Aus-arbeitung aus den an der Schultafel angesammelten Ausdrücken wählen.Dabei ergibt sich, weil nicht jedem Schüler der gleiche Wortlaut zusagt,viel Abwechslung. Auf tadellose Vorbindung und sinnrichtige Aufeinander-folge der Sätze ist besonders zu achten.
Bei diesem Verfahren ist gewöhnlich die Lust der Schüler zur Mit-arbeit sehr rege; doch kann es des Zeitaufwandes wegen nicht bei jedemAufsatze und nicht immer in gleicher Breite zur Anwendung kommen.
Fortgesetztes Einüben mit Angabe der Interpunktion. Wörterwie Barbarossa, Kyffhäuser, Thüringen, Sehlofs, Schlosse, Elfenbeinu. a. werden, falls dies nicht schon im Leseunterrichte geschah,orthographisch besprochen, auch vorgeschrieben.
III. Niederschreiben dos Aufsatzes, Korrektur, Verbesserung.
§56.
IV. Geschichtliches.
Bis gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts bestanden dieAuf satzübungen nur im Abschreiben von Vorlage blättern und Buch-abschnitten, wie z. B. aus dem Köthener Lehrplan von 1620oder aus A. H. Pranckes »Ordnung und Lehrart der Waisenhaus-schulen« hervorgeht. Die dann folgenden Anfänge der Auf Satzlehreerstrebten rein praktische Zwecke. So stellt der Vater der bayerischenVolksschule, Braun (1770), als Lehrziel der sechsten (letzten) Klasseauf: »Anfangsgründe zur deutschen Briefkunst«. Ähnliches ver-langt das katholische Schulreglement für Schlesien 1785 und dieWürttembergische Schulordnung von 1782. Um die Wendedes Jahrhunderts und in den folgenden Jahrzehnten fanden gram-matisierende Stilübungen Aufnahme. Von da an suchte die jungeDisziplin bald bei diesem, bald bei jenem Lehrgegenstande eineStütze, — beim Anschauungsunterrichte, bei der Grammatik, beimgesamten Sprachunterrichte, beim Lesebuche —, bis sie endlich imVerlaufe der letzten dreifsig Jahre zu der vorstehend dargelegtenBedeutung sich erhob. Als hervorragende Förderer der Volks-schulstilistik sind von den Älteren zu nennen: Fr. Ph. Wilmsen