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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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§46. V. Rückblick auf die Entwickelung des ersten Leseunterrichts. 155

III. Wie habe ich wohl dieses Nest bekommen? (auf dem Bodengefunden.) Hätte ich es den Vögeln wegnehmen dürfen?Nimmst Du dem Vogel Nest und Ei,Ist's mit Gesang und Obst vorbei etc. (Schmid.)

Zu b) 1. Schreibschrift.

1. Anschauen, a) Sprechen und Zerlegen des Normalwortesin seine Laute: N-e-s-t. Wie viele? Wie klingt der erste etc.?

b) Das ganze Wort wird grofs an der Wandtafel vorgeschrieben.Dieses Wort heilst Nest. 4 Zeichen. Einüben wie bei a).

c) Schreibendes Einüben der einzelnen Zeichen (ähnlich wiebei der 1. Lehrprobe). Schreiben des ganzen Normalwortes. Lesen.

II. Denken. 1. Vergleichung von S (1. Normalwort: Seil) undN, ei und e.

2. Diktat zur Befestigung dieser Zeichen: S, N, e, N, ei, S,eil, el u. s. w.

III. Anwenden. Diktat, Korrektur und Lesen des in der Fibelvorhandenen Stoffes. Ab- und Aufschreiben. (Siehe 1. Lehrprobe!)2. Druckschrift. Wie in der ersten Lehrprobe.

§46.V. Rückblick auf die Entwickelung des ersten Leseunterrichts.

1. Die Buchstabicrmethode herrschte bis in unser Jahr-hundert herein. Ihre Mängel wurden schon frühe erkannt; Besseresan ihre Stelle zu setzen, gelang aber erst nach 300 jährigen Ver-suchen. Am nächsten kamen dem späteren Lautieren Zeidler,Ventzky und Hecker (18. Jahrhundert). Hahn in Norddeutsch-land, Pelbiger in Österreich und Heinicke (Leipzig) wolltendas Kind nach dem Erlernen der Buchstaben sofort mit dem Lesenzweilautiger Silben beschäftigen, ohne zu buchstabieren — Sylla-biermethode.

2. V. Ickelsamer eilte in seiner »Teutschen Grammatica«(um 1530) seiner Zeit dritthalb hundert Jahre voraus, indem er inklarer Weise das Lautieren fordert und beschreibt. F. X. Hof-mann in München strebte zwischen 1770 und 1780 sowohl durchgelungene praktische Versuche als auch durch seine Schriftendie Einführung der Lautiermethode an. Ihren endlichenSieg verdankt diese jedoch erst dem bayerischenSchulrate Hch. Stephani. Er gab 1803 die erste Darlegungder neuen Methode. Olivier und Krug haben sie Wissenschaft-