§ 37. I. Bedeutung, Aufgabe u. Stellung des Anschauungsunterrichtes. 131
Betrachtung von wertvollen Stoffen aus dem kindlichen Er-fahrungkreise und bildet hiedurch zugleich die notwendige Ver-mittelung zwischen Haus und Schule. Dabei ergibt sich vonselbst eine Mehrung der Kenntnisse, Bildung der Organe fürFarbe, Form, Mafs und Ton, d. i. vornehmlich des Gesichts,Gehörs und Getasts. (Sinnlicher Anschauungsunterricht.)Da das Angeschaute jederzeit auch sprachlich zum Ausdruckekommen mufs, so ist Gelegenheit für Bildung und Vergröfserungdes Sprachschatzes gegeben. Endlich sind im sinnlichen An-schauungsunterrichte viele sittliche und religiöse Momente ent-halten. Diese bieten Gelegenheit zur Pflege von Herz undGemüt, und es werden, um die letztere umfassend und tief-gehend genug zu gestalten, aufser den bereits erwähnten Stoffennoch poetische Stücke, Erzählungen, Fabeln u. dgl. behandelt.(Sittlicher Anschauungsunterricht.)
Aus dem Vorstehenden lassen sich folgende Aufgabendes Anschauungsunterrichtes ableiten:
1. Bildung der Anschauung im allgemeinen,
2. reale Bildung,
3. Sinnenbildung,
4. Sprachbildung,
5. sittlich-religiöse Bildung. (Richter.)
c) Diese fünf Zwecke müssen einander das Gleich-gewicht halten. Jede einseitige Begünstigung ist ver-werflich.
Nicht zu rechtfertigen ist auch eine abgesonderteStellung des Anschauungsunterrichtes, da sie dem Grundsatzevon der Vereinigung und dem Ineinandergreifen der Lehrfächerwiderspricht.
Hingegen ist eine Verbindung zwischen dem Anschauungs-und dem ersten Leseunterrichte so leicht, natürlich und fürbeide Teile förderlich, dafs sie als unumgänglich erscheint.Hiebei behält jedoch der Anschauungsunterricht die leitendeStellung.
Die Unterordnung, welche er bei der Normalwörtermethode (sieheLesen 1) erfährt, ist nicht zu billigen; denn die Wahl und Reihenfolgeder Normalwörter richtet sich in der Hauptsache nach der Schreib-schwierigkeit derselben. Indem der Anschauungsunterricht an diese