Druckschrift 
2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen
 

76

A. U. Von der Methode des Unterrichts.

Vater der neueren Pädagogik, stellte den Grundsatz auf: »Vonder Anschauung zum Begriff».

Betrachtet man genauer, was bei jeder der oben dargestelltendrei Hauptoperationen unterrichtlich zu geschehen hat, sowird man finden, dafs sich beim Anschauen zwei Akte unter-scheiden lassen. Soll nämlich das Anschauen ganz gelingen, sodürfen die neuen Vorstellungen nicht als etwas völlig Neues, Iso-liertes, im Geiste Raum gewinnen, sondern müssen sich den vor,handenen Vorstellungen, zu denen sie in Beziehung stehen, richtigan- und einfügen. »Die älteren Vorstellungen müssen bereitstehen-die neuen Ankömmlinge erwartend (Aufmerksamkeit—Interesse) zubegrüfsen, damit dieselben im Gedankenkreise den richtigen Platzoffen finden, d. h. die Perception (Aufnahme) mufs zur Apperception(Aneignung) fortschreiten. Man sieht hieraus, dafs in der I. Haupt-,Operation zwei Akte unterschieden werden können, die Vorberei-tung (Analyse), wodurch die verwandten Vorstellungen wach- undherbeigerufen werden und die Darbietung (Synthese), welchedurch Vorführen neuer Anschauungen einen neuen Gedankenkreiszusammensetzt und aufbaut.«

Eine ähnliche Scheidung ergibt sich bei der zweiten Haupt-operation. »Das Denken (Abstrahieren) beginnt nämlich mit demVergleichen, d. h. mit dem Aufsuchen derjenigen Merkmale,welche den betreffenden beiden Objekten gemeinsam sind. Daswäre der erste Akt (Assoziation). — Sodann gilt es, das Gemeinsameaus den konkreten Vorstellungen, mit denen es im Geiste verbundenist, bestimmter auszusondern und zusammenzufassen in einBegriffswort oder in eine Regel, eine Maxime, einen Spruch, Lieder-vers etc. Das wäre dann der zweite Akt« (System).

Bei der dritten Hauptoperation, der »Anwendung«, ist schon imInteresse des Schulzieles das auf den vorigen Stufen erworbeneWissen des Schülers zu befestigen, geläufiger zu machen und durchLösung von einschlägigen Aufgaben zu erweitern. Dies ist Sacheder Übung. Da aber nicht blofs für die Schule, sondern fürsLeben gelernt werden soll, so sind die sittlichen Wahrheiten auchauf das Leben anzuwenden; der Schüler ist zur Beurteilung derHandlungsweise geschichtlicher Personen heranzuziehen, zum Aus-sprechen seiner eigenen An- und Absichten zu veranlassen, er sollsich für die gute und gottwohlgefällige Gesinnung und That be-geistern (Verwertung).

Wo sich eine Teilung der ersten beiden Hauptoperationenin je zwei Akte nötig machen sollte, erweisen sich die letzterendoch immer nur als untergeordnete Glieder der betreffenden Haupt-