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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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A. U. Von der Methode des Unterrichts.

Bei Gesinnungsstoffen muls nach der stattgefundenenAneignung des Thatsächlichen noch eine vertiefende Be-sprechung folgen. Die Schüler werden durch Haupt- oder Kon-zentrationsfragen veranlafst, vorliegende Gesinnungsverhältnisse nachihrem Werte oder Unwerte zu beurteilen, sich in die Lage derhandelnden Personen hineinzudenken und die gewonnenen sitt-lichen und religiösen Hauptgedanken zusammenzustellenund sich einzuprägen.

Nach der Meinung vieler widerstreitet, es einer gesunden Methode,eine biblische Geschichte durch Vorlesen der Schüler darzubieten.Der anregende Vortrag, die fesselnde Erzählung durch den Lehrer ist dasMerkmal eines guten Unterrichts in diesem Fache. Auch dagegen, dafsdie Schüler das Dargebotene sofort im Zusammenhange wiedergebensollen, bestehen Bedenken. In den unteren Klassen und von schwachenSchülern ist dies überhaupt nicht zu verlangen und eine verstandigeWiedergabe im allgemeinen wohl erst nach einer katechetischen Erörterungmöglich. — Wie man ferner sich hüten mufs, mit einem Schüler zulange auf Kosten der übrigen sich zu beschäftigen, so wird man, be-sonders in stark besetzten Klassen, auch auf das freie Gespräch(Disputation) zumeist um der Ordnung und Disziplin halber verzichtenmüssen. Meister der Fragekunst wissen am besten, einen geregelten Fort-gang und planmäfsigen Fortschritt des Unterrichts zu sichern. — Endlichist zu erwähnen, dafs beim Fortschreiten des Lernprozesses in manchenGegenständen es sich nur um Befestigung und Anwendung der aufder Stufe der Vorbereitung und Darbietung erworbenen Kenntnissehandeln kann und damit also die Durcharbeitung der methodischen Ein-heit beendet erscheint.

3. Verknüpfung. Ist das Neue vom Schüler angeeignet worden,so beginnt der begriffliche Aufbau des Gelernten mittels einesAbstraktionsprozesses. < In dem angeeigneten Material ist auch All-gemeines, Begriffliches enthalten, das aber erst herausgearbeitet undzum Verständnis gebracht werden mufs. Wir verstehen aber nurdas, was wir einem Begriffe, einem allgemeinen Satze (Gesetz, Regel)unterzuordnen vermögen. Zu diesem Zwecke sind die gewonnenenVorstellungen mit den ähnlichen früheren zu verknüpfen, damitein zusammenhängendes Wissen entsteht und zugleich dasallen Vorstellungen Gemeinsame von selbst klarer hervortrittund so von dem damit verbundenen Zufälligen und Unwesentlichensich ablöst. Diese Gedankenarbeit vollzieht sich durch das Ver-gleichen, das die übereinstimmenden, verwandten, ähnlichenMerkmale zweier oder mehrerer Objekte aufsucht und zu einerhöheren Einheit verschmilzt, so dafs sich Vorstellungen höhererArt, Allgemeinvorstellungen, Begriffe bilden, währenddie unwesentlichen einzelnen Züge zurücktreten.

Diese Vergleichungs- und Aussonderungsthätigkeit ist durchschriftliche Arbeiten und geeignete Darstellungen zu unterstützenund bis zur Geläufigkeit zu üben.