§ 25. Die Unterrichtsstufen.
69
den vorangegangenen Unterricht, oft beim Eechnen, wo fast jede Übungauf die andere vorbereitet 1 ), ähnlich bei den Fertigkeiten desSchreibens, Zeichnens, SingenB, Turnens etc.
2. Die Darbietung. Ist durch die Vorbereitung das sich aufdas Neue beziehende ältere Vorstellungsrnaterial ordnungsmäfsigbereit gestellt, so tritt die Darbietung des Neuen ein. »DieForm der Darbietung kann je nach der Alters- und Kenntnisstufedes Schülers oder nach der Art des Stoffes verschieden sein: einMärchen wird in der Unterklasse erzählt, ein sprachlicher Ab-schnitt, eine biblische Geschichte etc. mit älteren Schülern ge-lesen, ein geographischer Gegenstand sprechend und zeich-nend, ein physikalischer Vorgang experimentierend undsprechend an die Schüler gebracht. In Naturkunde, Deutsch,Rechnen, Geometrie erstreckt sich die Darbietung nur auf die Auf-stellung der realen Stoffe, der Gegenstände und Erscheinungen, dersprachlichen Formen, der mathematischen Aufgaben; die neuenVorstellungen, welche gewonnen werden sollen, hat sich der Schülerunter Anleitung des Lehrers selbst zu erarbeiten.« 2 ) Damit derStoff der Darbietung klar und deutlich aufgcfafst und festgehaltenzu werden vermag, ist er nur in kleineren Portionen zu geben,jede »methodische Einheit«, wenn nötig, daher in kleinere Teil-ganze zu zerlegen und jeder dieser Abschnitte einzeln fürsich durchzuarbeiten.
Der Darbietung des ersten Abschnittes durch Erzählen,Lesen etc. schliefst sich eine sofortige zusammenhängende Wieder-gabe desselben durch einen Schüler an, die nicht unterbrochen werdensoll, damit der Gedankenlauf keine Hemmung erfährt. Höchstens istein kurzer Wink bezüglich der Fortsetzung und Ergänzung amPlatze. Irrtümliches und Mangelhaftes wird durch Erklären,Vorzeigen etc., in Form des freien Gespräches (Disputation)berichtigt, aufgehellt, ergänzt, worauf, behufs Einprägung und Ver-schmelzung der Vorstellungen, der Abschnitt von den Schülernwiederholt zusammengefafst wird. Das Ergebnis wird als Inhalts-angabe (Überschrift) an die Wandtafel geschrieben. Ist der folgendeAbschnitt in der gleichen Weise behandelt, so wird er mit demvorhergehenden zusammengefafst. — So schreitet die Arbeit stetigfort, bis (mit Hilfe der Überschriften) eine gereinigte Total-auffassung des Ganzen gewonnen ist und es sich dann nur nochum Wiederholung und Einprägung (Aneignung) des Gesamt-ergebnisses handelt.
') Vgl. Knilling, Die naturgemäfse Methode des Rechenunterrichtsin der deutschen Volksschule. IL Teil: Zur Kritik der sogenannten Formal-stufen S. 123 ff. München, 1899.
2 ) Karl Richter, Die Herbart - Zillerschen formalen Stufen desUnterrichts. Leipzig, 1898. S. 24.