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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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§ 24. Der Unterrichtsgang.

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und darunter wieder besonders an das, was sich auf dieAufgabe bezieht, angeknüpft und der Schüler veran-lafst, selbstthätig aus dem Bekannten neue Bezieh-ungen und Kenntnisse abzuleiten und aufzufinden, soist das der genetische (entwickelnde) Lehrgang (s. S. 58sss stetig fortschreitend).

Dieses Verfahren, welches mit Vorliebe der Entstehung undEntwicklung der Dinge und des menschlichen Denkens nach-geht, mufs wegen seiner Natürlichkeit und grofsen Zweckmälsigkeitviel öfter als das dogmatische Anwendung finden.

Es geht z. B. in der Geographie von der Schulstube unddem Schulorte zum Bezirke, Kreise, Land, Reich und erweiterthiedurch den Gesichtskreis. (Für höhere Klassen ist in der Geographieauch der entgegengesetzte Gang berechtigt.)

Bei dem dogmatischen Lehrgang ist der anordnende und dar-stellende, der systematisierende Lehrer der Mittelpunkt desUnterrichts; bei dem genetischen Lehrgang ist es der zum Suchenbefähigte und zum Finden psychologisch angeleitete Schüler.

Obwohl der genetische Lehrgang für jede Lehrstufe zweck-.mäfsig erscheint, so ist er doch besonders für die Volksschulesehr geeignet, da er stets an die Erkenntniskraft des Schülersanschliefst, die Selbsttätigkeit weckt und durch fortwährendeAnregung zur Auffindung und Erzeugung neuer Erkenntnisseund Gedanken anleitet. Ein solches Verfahren, das sich sehr er-heblich von der wissenschaftlich-systematischen Methode unter-scheidet, ist, wie Diesterweg sagt, elementarisch.

Mit Rücksicht auf den Lehrstoff ist der genetischeLehrgang

analytisch oder synthetisch, je nachdem nämlich vomGanzen oder von seinen Teilen ausgegangen wird.

Die Analyse (Zergliederung) geht vom Ganzen aus undzerlegt dasselbe in seine Teile, um es genau kennen zu lernen.— Die Synthese (Zusammensetzung) geht von den Teilen(vom Einzelnen) aus, um daraus das Ganze zusammenzusetzen.

Das zu zergliedernde oder zusammenzusetzende Ganze kannaber entweder ein Ding selbst, etwas Wirkliches, Realessein, dann spricht man von Real- (Sach-)Analyse und -Syn-these; oder es kann ein Begriff, ein Gedanke, eine Ideesein, und in diesem Falle spricht man von logischer (idealer)Analyse und Synthese.