Druckschrift 
2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen
 

§ 17. Die harmonische Bildung und das vielseitige Interesse. 35

der Sache, verständnisvolles Heimischsein in den Dingen, ent-wickelte Selbstthätigkeit der geistigen Kraft. »Es soll nichtbei dem blofsen Wissen sein Bewenden haben; wer Gewufstesfesthält und zu erweitern sucht, der interessiert sich dafür«.(Herbart.) Dieser lebendige Geisteszustand, das Interesse,ist die Quelle alles Wollens und Handelns. »Nicht imWissen, sondern im Wollen liegt der Wert des Menschen«.(Herbart.)

Da die Aufstellungen Herbarts und Diesterwegs im wesent-lichen übereinstimmen, so sind sie nachstehend aphoristischnebeneinander gestellt.

Herbart unterscheidet:

I. Das Interesse der Er-kenntnis und zwar:

1. (las empirische, das durch blofseAbwechslung und Mannigfaltig-keit der Wahrnehmungen, durchErfahrung gewonnen wird (Sin-neserkenntnis);

2. das spekulative, das durch denNachweis dos Notwendigen im Zu-sammenhang der Begebenheiten,durch Nachdenken über Erfah-rungsgegenstande erzeugt wird(Verstandeserkenntnis);

3. daB ilsthctlschc, das durch Auf-suchen der schönen Verhältnissean den Dingen und Handlungenerregt wird. (Ästhetische Wert-schätzung.)

II. Das Interesse der Teil-nahme und zwar:

4. das sympathetische, das im Um-gang mit Menschen durch Teil-nahme an deren Leiden undFreuden sich äufsert;

Diesterweg fordert:

I. Bilduug der Erkennt-nis und zwar:

1. Sinnesgewccktheit durch sinn-liche Anschauungen derKörperwelt und ihrer Verände-rungen ;

2. Denkfähigkeit durch mathe-matische Anschauung derKaum-, Zeit-, Zahl- und Be-wegungsverhältnisse etc.

IL Bildung des Gefühlsund zwar:

3. Schönheitssinn durch ästheti-sche Anschauungen derschönen Erscheinungen des Na-tur- und Menschenlebens (Kunst-darstellnngen);

Mitgefilhl durch die rein-menschlichen Anschau-ungen edel gestalteter Einzel-leben, edler Lebensverhältnisse;sympathetische Neigungen etc.