Druckschrift 
2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
Entstehung
Seite
26
Einzelbild herunterladen
 

26

Die logischen Grundlagen.

2. Die Verneinung eines oder mehrerer Glieder im Unter-satze hat die Bejahung der übrigen Glieder des Schlufssatzeszur Folge, z. B. ' i

A ist entw. B oder C. Der Schüler reist entweder nach Hause oder

er geht zu einem Freunde.Nun ist es nicht B. Nun reist er nicht nach Hause.

Also ist es C. Also geht er zu einem Freunde.

Anmerkung. Besteht in einem hypothetischen Obersatze

das disjunktive Urteil aus zwei Gliedern, so entsteht ein

Dilemma (zwiefache Annahme) oder gehörnter Schlufs, z. B.

Wenn die Seele Materie wäre, könnte sie sich weder zur Gottes-idee erheben, noch frei handeln.

Nun kann sie beides.

Also kann die Seele nicht Materie sein.

Setzt sich der Obersatz aus drei Gliedern zusammen, so heilster Trilemma (aus mehreren Polylemma); z. B.

Obersatz. Wenn unsere Welt nicht die beste wäre, so hätteGott eine bessere entweder nicht gekannt odernicht schaffen wollen oder nicht schaffen können.Untersatz. Nun ist der erste Fall wegen der Allwissenheit, derzweite wegen der Allgüte, der dritte wegen derAllmacht Gottes ausgeschlossen.Schlufssatz. Also ist unsere Welt die beste!. (Vergl. Schumann.)

§ 14.Die sprachlichen Schlufsarten.

Hinsichtlich der sprachlichen Darstellung gibt es1. einfache Schlüsse, die entweder vollständig seinkönnen, wenn keines der drei Glieder fehlt, oder unvoll-ständig, verkürzt, wie sie vielfach im Leben üblich sind.Es wird dabei nur eine Prämisse angegeben. Ein so verkürzterSchlufs heifst Enthymema; z.B.: Locke zählt zu den päda-gogischen Schriftstellern, denn er schrieb über Erziehung.Hieher gehören auch folgende verkürzte Schlufs weisen:

a) Petrus empfand Reue; es that ihm seine Sünde von Herzenleid. (Gleichheitsschlufs.)

b) Da kein Erziehungsmittel unfehlbare Wirkung hat, so wirktauch die Bewahrung nicht immer, was und wie sie soll (Unter'o r d n u n g s s c h 1 u f s.)

I '