§ 2. Unterrichtsknnde. 3
flufst sonach mittels der Erkenntnisthätigkeit auch die Gefühls-und Willensthätigkeit, strebt mit einem Worte eine allgemeine undharmonische Ausbildung des Geistes, eine Veredlung dergesamten geistigen Natur des Menschen an.
Ohne Unterricht ist keine wahre Erziehung möglich. JederUnterricht aber, der nicht zugleich im Dienste der Erziehung steht,ist Abrichtung, Dressur, und hat keinen oder nur geringen Wert.Beide sind ohne einander gar nicht zu denken. »Ich gestehe,keinen Begriff zu haben von Erziehung ohne Unterricht,sowie ich rückwärts keinen Unterricht anerkenne, dernicht erzieht.« (Herbart.)
Da der Unterricht die durch die gemeinsame Arbeit derKulturvölker erworbenen Kenntnisse dem nachwachsenden Ge-schlechte vermittelt und es dadurch befähigt, am geistigenFortschritt der Menschheit teilzunehmen, da ferner die Er-fahrung lehrt, dal's mit der zunehmenden Geistesbildung auchdie Volkswohlfahrt wächst, ohne Unterricht dagegen die geistige,sittliche und wirtschaftliche Entwicklung zurückbleibt, so stehenWert und Notwendigkeit des erziehenden Unterrichtsaufser Frage.
Anmerkung. Wie »erziehen« eigentlich nichts anderes ist,als einem Unmündigen den Weg zur Selbsterziehung weisen, soheilst »unterrichten« eigentlich: einem Unwissenden dennächsten Weg zur Selbstbelehrung zeigen.
§2.Unterrichtskunde.
Aus dem Vorhergehenden ist ersichtlich, dafs der Unter-richt dem Einzelnen wie der ganzen Menschheit gegenübereine ebenso grofse als schwierige Aufgabe zu erfüllen hat.Mit Rücksicht auf sein erhabenes Ziel, sowie im Hinblick aufdie Schwierigkeit seiner Aufgabe erscheint er demnach als einewahre Kunst. Kunst ist aber ein vollendetes Können, dasvon einem gründlichen Wissen getragen sein mufs. Jeneserlangt man durch Übung in der Praxis, dieses durchStudium der Theorie. (Vgl. 1. Bd. § 8: Erziehungskunstund Erziehungswissenschaft.
Wer unterrichten, d. h. die Unterrichtskunst ausüben will,mufs sich daher vor dem Eintritt in die Praxis mit derTheorie, d. h. mit den Grundsätzen und Regeln des
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