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2 (1899) Praktische Unterrichtslehre für Seminaristen und Volksschullehrer : [mit Katholischer Katechetik]
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2 Einleitung.

Jede absichtliche und geordnete Einwirkungauf andere Personen, zunächst zum Zwecke derErgänzung der Erfahrung und des Umganges, heifstUnterricht.

2. Diese Einwirkung kann jedoch in beschränkter Weisenur auf die Erwerbung von Kenntnissen (Wissen) undFertigkeiten (Können) zu ganz bestimmten Zwecken ab-zielen, wie das etwa der Fall ist, wenn ein Handwerksmeistereinen Lehrling in seinem Geschäfte (Gewerbe) unterweist undgelegentlich darüber belehrt.

Sie kann aber auch von der bestimmten Absicht ausgehen,eine solche Erkenntnis des Wahren, Schönen undGuten im Menschen zu erzeugen, die seinen ganzen Gedanken-kreis beherrscht und ihn zum Wollen des als wahr, schönund gut Erkannten antreibt. In diesem Falle ist der Unter-richt nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Erreichung desallgemeinen Erziehungszweckes. Als solcher erscheint uns aberdas sittlich-religiöse Wollen, der tugendhafte Mensch,der sittliche Charakter. Ein Unterricht, der bei allenseinen Bethätigungen dieses Ziel im Auge behält und dem-gemäfs den Gedankenkreis so bearbeitet, dafs er Motive fürdas sittliche Handeln erzeugen kann, heifst Erziehungs-unterricht oder erziehender Unterricht (1. Buch § 7, 3).Er stellt sich als ein wesentlicher und notwendiger Teil derErziehung dar. Nur vom erziehenden Unterricht soll inder Folge gehandelt werden.

Es ist die Meinung vielfach verbreitet, als ob der Unterrichtnur die Erkenntniskräfte bilde, also einseitig die intellektuelle Ent-wicklung fördere. Diese Meinung beruht aber auf einem Irrtum.

Zunächst freilich bildet auch der erziehende Unterricht dieIntelligenz, indem er sich an den erkennenden, d. h. vor-stellenden und denkenden Geist wendet, um Vorstellungen undBegriffe zu erzeugen, zu berichtigen, zu ordnen und zuverbinden, also den Gedankenschatz des Menschen zu be-reichern und zu vervollkommnen. Indem er aber demGeiste reine, schöne Bilder vorführt und einprägt, erregt und ver-edelt er das Gefühl; indem er dem Gedankenkreis sittliche Ideeneinpflanzt, befördert er das Wollen des Wahren, Schönen undGuten, bildet also den Willen. Der erziehende Unterricht beein-