ablehnend ist, werde ich, obwohl heute abend alle Adligeneingeladen sind, um mich Gedichte lesen zu hören, keinenFuß mehr über die Schwelle der Frau von Bargeton setzen.
David wischte sich über die Augen und drückte die HandLuciens heftig. Es schlug sechs Uhr.
„Eva wird unruhig werden; lebwohl!" sagte Lucien plötz-lich. Er ging und ließ David in einer Erregung zurück,die man nur in diesem Alter so heftig verspürt besondersin der Lage, in der sich diese beiden jungen Schwane be-fanden, denen das Provinzleben noch nicht die Flügelbeschnitten hatte. . ,.
.Goldenes Herz!' rief David, indem er Lucien, der dieWerkstatt durchschritt, mit den Blicken folgte.
Lucien ging durch die schöne Beaulieu-Promenade dieRue du Minage und das Peterstor nach Houmeau. Er wählteso zwar den längsten Weg, aber er kam dabei an demHause der Frau von Bargeton vorbei. Er fühlte selbst un-bewußt" ein solches Vergnügen, wenn er unter den Fenstern
dieser Frau vorbeiging, daß er seit zwei Monaten nichtmehr durch das Palet-Tor nach Houmeau zurückging.
Als er bei den Bäumen von Beaulieu angelangt war, sanner über den Abstand nach, der Angouleme vom Houmeautrennte. Die Sitten des Landes hatten moralische Schrankenerrichtet, die viel schwerer zu übersteigen waren als dieStufen, über die Lucien hinabging. Der junge Ehrgeizige,der sich im Hause Bargeton eingeführt hatte, und so denRuhm wie eine fliegende Brücke zwischen die Stadt unddie Vorstadt geworfen hatte, war unruhig, wie seine be-liebte entschieden hätte, und glich einem Günstling, derdie Ungnade fürchtet, nachdem er versucht hat sein Macht-gebiet auszudehnen. Diese Worte müssen denen unver-ständlich vorkommen, die die besondern Sitten m solchenStädten noch nicht beobachtet haben, die in eine Ober-stadt und eine Unterstadt eingeteilt sind; aber um so not-