Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

die passen könnte," fiel Lucien ein und nahm das Manu-skript in die Hand. „Sie müßten die Freundlichkeithaben, morgen wiederzukommen und uns Ihr Werk zurBerechnung der Druckkosten hier zu lassen." „Habe ichnicht mit Herrn Lucien Chardon die Ehre?" „Jawohl,"antwortete der Faktor. „Ich bin glücklich," sagte derSchriftsteller, „einen jungen Dichter kennen zu lernen,dem eine so schöne Zukunft bevorsteht. Ich bin vonFrau von Bargeton geschickt."

Als Lucien diesen Namen hörte, errötete er und stammelteeinige Worte, um seine Dankbarkeit für das Interesse aus-zudrücken, das ihm Frau von Bargeton entgegenbrachte.David bemerkte das Erröten und die Verlegenheit seinesFreundes, den er die Unterhaltung mit dem Landedelmannweiterführen ließ. Der war der Verfasser einer Denkschriftüber die Seidcnwürmerzucht, der aus Eitelkeit gerne ge-druckt sein wollte, um von seinen Kollegen von der Land-wirtschaftsgesellschaft gelesen zu werden.

„Wie, Lucien," rief David aus, als der Herr gegangenwar, „solltest du Frau von Bargeton lieben?" „Wahn-sinnig!" „Aber ihr seid durch die Vorurteile der Gesell-schaft mehr voneinander getrennt, als wenn sie in Pekinglebte und du in Grönland." „Der Wille zweier Liebendenüberwindet alles," sagte Lucien und senkte die Augen.„Du wirst uns vergessen," erwiderte der schüchterne Lieb-haber der schönen Eva. „Vielleicht habe ich dir imGegenteil meine Gehebte geopfert," rief Lucien. „Wieso?"„Trotz meiner Liebe, trotz der verschiedenen Interessen,die es ratsam machen, bei ihr zu verkehren, habe ichihr gesagt, ich käme nie wieder, wenn nicht ein Mann,dessen Begabung größer ist als meine, dessen Zukunftruhmvoll sein muß, wenn nicht mein Bruder und Freund,David Sechard, von ihr empfangen wird. Ich muß zuHause eine Antwort vorfinden; aber wenn die Antwort38