Seit ungefähr drei Jahren hatten so die beiden Freundeihr Schicksal, das in der Zukunft so glänzend werden sollte,vereinigt. Sie lasen die großen \yerke, die seit dem Friedens-schluß auf literarischem und wissenschaftlichem Gebieteerschienen waren, die Werke von Schiller, Goethe, LordByron, Walter Scott, Jean Paul, Berzelius, Davy, Cuvier,Lamartine usw. Sie wärmten sich an diesen großen Feuern,sie versuchten sich selbst an Werken, die mißglückten oderdie angefangen, aufgegeben und glühend wieder auf-genommen wurden. Sie arbeiteten unaufhörlich, ohne, dieunerschöpflichen Kräfte der Jugend zu ermüden. Beidegleich arm, aber von der Liebe zur Kunst und Wissenschaftverzehrt, vergaßen sie ihr jetziges Elend und beschäftigtensich damit, die Grundlagen ihres künftigen Ruhms zulegen.
„Lucien, weißt du, was ich eben von Paris bekommenhabe?" fragte der Drucker und zog einen kleinen Duodez-band aus seiner Tasche. „Höre!"
David las, wie die Dichter zu lesen verstehen, die Idylle,von Andre de Chenier vor, die den Namen ,Neere' führt,dann den ,Jungen Kranken' und schließlich die Elegie,über den Selbstmord, die erste in antiken Metren und die.beiden andern in Jamben.
„Das ist also Andre de Chenier!" rief Lucien wiederholtaus. „Es ist zum Verzweifeln," wiederholte er zum dritten-mal, als David, der zu erregt war, um weiterzulesen, ihmden Band überließ.
„Ein Dichter, den ein Dichter wieder entdeckt hat!"sagte er beim Anblick der Unterschrift unter der Vorrede.
„Als Ch6nier", fing David wieder an, „.diesen Band fertiggemacht hatte, glaubte er nichts verfaßt zu haben, waswert sei, veröffentlicht zu werden."
Lucien las seinerseits das epische Stück ,De.r Blinde'und mehrere Elegien. Als er zu dem Fragment kam:
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