Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
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Maße den Charakter der Gascogner: kühn, tapfer, aben-teuerlich, ein Charakter, der das Gute übertrieben gut siehtund das Üble nicht allzu schlimm nimmt, der vor keinemFehltritt zurückschrickt, wenn ein Nutzen dabei heraus-springt, und sich nichts aus dem Laster macht, wenn er sichPine Staffel daraus machen kann. Diese Anlage der Ehr-sucht war damals noch unterdrückt von den schönenIllusionen der Jugend, von der Glut, die ihn die edelnMittel suchen hieß, die ja ruhmbegierige Männer vor allenanderen anwenden. Er hatte nur erst mit seinen Wünschenund noch nicht mit den Widerwärtigkeiten des Lebens zukämpfen, mit seiner eigenen Macht und noch nicht mit derErbärmlichkeit der Menschen, die ein verhängnisvolles Bei-spiel für schwankende Geister ist. David bewunderte denverführerischen Glanz des Geistes seines Lucien, ohne sichüber die Irrtümer im unklaren zu sein, in die ihn der Eurordes Franzosen versetzte. Dieser schlichte Mann hatte einenschüchternen Charakter, der im Widerspruch stand zu seinerkräftigen Konstitution, aber es fehlte ihm nicht an derFestigkeit nördlicher Menschen. Wenn er auch Schwierig-keiten sah, nahm er sich doch vor, sie zu überwinden ohnezu wanken, und wenn er die Festigkeit einer wahrhaft apo-stolischen Tugend hatte, milderte er sie durch die sanfteAnmut einer unerschöpflichen Nachsicht. In dieser schonnicht mehr jungen Freundschaft liebte einer von beidenwahrhaft vergötternd, und das war David. Und so kom-mandierte Lucien wie eine Frau, die sich geliebt^ weiß.David gehorchte mit Vergnügen. Die körperliche Schön-heit seines Freundes gab diesem für David eine Überlegen-heit, unter die er sich beugte; sich selbst fand er schwer-fällig und gewöhnlich.

,Dem Ochsen das geduldige Pflügen, dem Vogel dasfreie Leben,' sagte sich der Drucker. ,Ich werde der Ochsesein, Lucien der Adler!'

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