Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
8
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Sechard war eine Bestätigung für dieses psychische Gesetz:je älter er wurde, um so mehr liebte er das Trinken. SeineLeidenschaft hinterließ auf seinem Bärengesicht Spuren,die es höchst originell machten: seine Nase hatte den Um-fang und die Form eines großen A von riesigen Dimen-sionen , seine beiden mit unzähligen Äderchen durch-zogenen Backen sahen aus wie manche Weinblätter, dievoller violetter, purpurner und oft buntgesprenkelterkleiner Buckel sitzen; man konnte an einen ungeheurenTrüffel denken, der mit herbstlichem Weinlaub umranktwar. Unter zwei mächtigen Brauen, die wie zwei schnee-bedeckte Büsche aussahen, hatten seine beiden grauenAugen, in denen die Schlauheit einer Habgier funkelte,die alles, selbst die Vaterliebe in ihm ertötet hatte, ihrenGlanz noch in der Trunkenheit bewahrt. Sein kahlerSchädel, der noch von grauen, lockigen Haaren umgebenwar, erinnerte an die Franziskanermönche aus den Er-zählungen Lafontaines. Er war untersetzt und beleibt,wie es bei diesen alten Lampen, die mehr Öl als Dochtverbrauchen, oft der Fall ist; denn die Ausschweifungenin irgendeiner Sache treiben den Körper in die Bichtung,die ihm gemäß ist. Die Trunksucht macht ebenso wie dasStudieren den Dicken noch dicker und den Magern ma-gerer. Jeröme Nicolas Sechard trug seit dreißig Jahrenden bekannten Dreispitz, der sich noch heutzutage in denStädten mancher Provinzen auf dem Kopf des städtischenTambourmajors findet. Seine Weste und seine Hose warenaus grünlichem Tuch. Überdies trug er einen alten brau-nen Überzieher, buntgewebte baumwollene Strümpfe undSchuhe mit silbernen Schnallen. Diese Tracht, in der derHandwerksmann noch im reichgewordenen Bürger zu er-kennen war, entsprach seinen Lastern und Gewohnheitenso gut, war so sehr der Ausdruck seines Lebens, daß esschien, als ob dieser Waekere völlig angekleidet erzeugt