geschaffen. Wir kennen beide weder die Liebe zum Gewinnnoch die Bedenklichkeit, sich zum Geldausgeben zu ent-schließen, selbst wenn das Geld noch so ehrlich verdientist, und das sind vielleicht die Tugenden des Kaufmanns,denn man nennt diese zwei verschiedenen Formen desGeizes Vorsicht und Geschäftsgeist."
Eva war entzückt über diese Übereinstimmung der An-sichten, die eine der köstlichsten Blüten der Liebe ist; denndie Interessen und der Geist brauchen bei zwei Menschen,die sich lieben, nicht im Einklang zu stehen. Sie bat nunden Kerkermeister, an Petit-Claud eine Zeile zu schicken,durch die sie ihm mitteilte, er solle für Davids Freilassungsorgen, da sie beide mit den Grundlagen der geplantenVereinbarung einverstanden wären. Zehn Minuten spätertrat Petit-Claud in Davids schreckliches Gemach und sagtezu Eva: „Gehen Sie nach Hause, Frau Sechard, wir kommennach. — Nun, lieber Freund," sagte er dann zu David,,,du hast dich also fangen lassen! Und wie hast du denFehler begehen können, auszugehen?" „Wie hätte ichnicht ausgehen sollen? Sieh hier, was mir Lucien ge-schrieben hat."
David übergab Petit-Claud den Brief Cerizets; der Ad-vokat nahm ihn, las ihn, strich über das Papier und plau-derte von den Geschäften, während er den Brief wie ausZerstreuung zusammenfaltete und in die Tasche steckte.Dann nahm er David untern Arm und ging mit ihm, denndie Erlaubnis des Gerichtsvollziehers war während diesesGesprächs dem Gefängniswärter überbracht worden.
David glaubte sich, als er zu Hause war, im Himmel.Er weinte wie ein Kind, als er seinen kleinen Lucien küßteund sich nach zwanzig Tagen der Einschließung, derenletzte Stunden nach der Auffassung der Provinz schimpf-liche waren, wieder in seinem Schlafzimmer sah. Kolbund Marion waren zurückgekommen. Marion hatte in
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